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Kritik: Dil Leyla (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wenn Leyla Imret mit offenem Autofenster durch die Straßen ihrer Heimatstadt fährt, erhält sie von den umstehenden Passanten jede Menge Zuspruch. Kaum einer, der hier oder wenig später bei einem öffentlichen Auftritt kein Selfie mit Cizres Bürgermeisterin schießen will. Schlagen Imret im Rathaus oder bei Ortsbegehungen Zweifel und Widerspruch entgegen, ist sofort der Enthusiasmus zu spüren, mit dem diese schlagkräftige junge Frau ihre Ideen und Überzeugungen vorträgt, mit dem sie Cizres Stadtbild positiv verändern will.

Regisseurin Asli Özarslan, selbst nur wenig älter als Leyla Imret, hat ihre Protagonistin beinahe ein Jahr lang begleitet, sie bei der Arbeit in Cizre und während eines Besuchs in ihrer alten Heimat Bremen gefilmt, Imret selbst und ihre Bekannten und Verwandten interviewt. Nicht immer ist die Kamera dabei. Als das Filmteam des Landes verwiesen und Imret inhaftiert wird, macht Özarslan das Beste aus ihrer erzwungenen Distanz: Sie erklärt die Lage durch eingeblendete Texte, greift auf Fernsehbilder, Telefonate und aufgezeichnete Voicemail-Nachrichten zurück.

Asli Özarslan überlässt es ihrem Publikum, sich eine eigene Meinung zur heiklen und für Außenstehende oft unübersichtlichen Lage im türkischen Südosten zu bilden. Außer den einordnenden Texten hat sich Özarslan gegen jede Kommentierung entschieden, lässt die Aussagen ebenso unhinterfragt stehen wie Leyla Imrets Kindheitserinnerungen und politisches Selbstverständnis, die Özarslan aus dem Off über alte und gegenwärtige Bilder legt. Allein schon aufgrund der Wahl ihrer Protagonistin sind die Sympathien aber klar verteilt. Was dabei auffällt: Auch wenn sich keiner der Beteiligten entschieden von der PKK, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei distanziert, es verteidigt oder glorifiziert sie auch keiner. Leyla Imrets Position ist hingegen unmissverständlich. Für die junge Politikerin kann es nur einen gewaltlosen, demokratischen Weg aus der Krise geben.

Fazit: Asli Özarslans Dokumentarfilm gibt einen seltenen Einblick in ein Randgebiet eines zerrissenen Landes. Bei aller Neutralität sind Özarslans Sympathien klar verteilt. Dabei macht Özarslan viel aus ihren durch Hindernisse beschränkten Mitteln. "Dil Leyla" ist ein wichtiges Zeitzeugnis, das trotz seines negativen Ausgangs Hoffnung macht.





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