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Tom of Finland (2017)

Ikone der Schwulenbewegung: Biopic über Touko Laaksonen, der mit seinen homoerotischen Zeichnungen von Finnland aus Weltruhm erlangte.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Kurz vor seinem Tod blickt der 1920 geborene Zeichner und Werbegrafiker Touko Laaksonen (Pekka Strang) auf sein Leben zurück. Er erinnert sich an die Kriegsnächte, als er im verdunkelten Helsinki erste sexuelle Erfahrungen mit Männern sammelt und an die Friedenszeit, als er mit seiner Schwester Kaija (Jessica Grabowsky) in eine gemeinsame Wohnung zieht und als Grafiker in einer Werbeagentur anheuert. In seinen schlaflosen Nächten zeichnet er obsessiv oder durchstreift die Parks auf der Suche nach flüchtigem Geschlechtsverkehr. Dort trifft er zum ersten Mal auf den Tänzer Veli "Nipa" Mäkinen (Lauri Tilkanen), der sich kurze Zeit später zufällig als Untermieter bei Kaija und Touko bewirbt. Ihre Beziehung müssen die beiden Männer lange Zeit geheim halten. Denn Homosexualität ist in Finnland bis 1971 illegal.

Von Veli ermuntert, reicht Touko seine Zeichnungen bei einem US-amerikanischen Undergroundverlag ein. Seine Bilder von ungezügelten, freien und stolzen homosexuellen Männern verbreiten sich schnell in der schwulen Subkultur und bringen Touko, der unter dem Pseudonym "Tom of Finland" veröffentlicht, Kultstatus ein. Über den Umweg der USA wird der Finne zur Symbolfigur einer ganzen Generation. Sein Männerbild voll übermuskulöser Körper in Uniformen und ledernen Motorradfahrerkutten ist für viele bis heute stilbildend.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Touko Laaksonen ist vermutlich der bekannteste unbekannte finnische Künstler. Längst hängen seine Werke in Museen und Galerien oder sind in großformatigen Prachtbänden für den heimischen Kaffeetisch zu haben. Laaksonens Zeichnungen von leicht bekleideten, häufig uniformierten Männern beeinflussten nicht nur maßgeblich die schwule Subkultur, sondern inspirierten zahlreiche andere Künstler von Andy Warhol über Freddie Mercury und Madonna bis zur deutschen Comicgröße Ralf König. Doch Laaksonen veröffentlichte zeitlebens unter Pseudonym, weshalb der Mann hinter "Tom of Finland" weitaus weniger Bekanntheit erlangte als die übertrieben muskulöse Figur mit dem markanten Schnurrbart, mit dem die Öffentlichkeit das Pseudonym schnell gleichsetzte.

Pekka Strang gibt diesen Touko Laaksonen mit forscher Zurückhaltung. Sein zartgliedriger Antiheld begehrt mehr mit Blicken als mit Taten. Schließlich kann ihn eine falsche Bewegung ins Gefängnis bringen. Und doch mischt sich unter diese Vorsicht ein befreiender Trotz, wenn Touko Staatsdiener und Spießbürger mit wohlüberlegten Worten, die alles andeuten und doch nichts Verfängliches sagen, herausfordert. Dies sind die stärksten Momente in einem schön fotografierten, überlegt in Rückblenden konstruierten, aber etwas mutlos und beliebig erzählten Film.

Dabei beginnt Regisseur Dome Karukoski durchaus ambitioniert. Wenn sich Touko beim Eisbaden an den nackten Körpern seiner Kameraden nicht sattsehen kann und sich die angestaute Lust schließlich in einem Schnittgewitter aus flüchtigem Sex und einem nächtlichen Bombenhagel auf Helsinki entlädt, deutet Karukoski an, wohin sein Biopic hätte steuern können. Bis auf ein oder zwei Momente, in denen sich Toukos gezeichnetes Alter Ego als fleischgewordene Männerfantasie ins Bild stiehlt, spielt der Film jedoch nie mit den Sehgewohnheiten seiner Zuschauer. Und auch vom zu Beginn so fulminant in Szene gesetzten Sex bekommen wir den Rest der Laufzeit wenig zu Gesicht.

Hier gleicht das Drama ein wenig Toukos Verhältnis zu Kaija. Obwohl der Bruder seiner Schwester gegenüber die Homosexualität früh andeutet, will sie nichts damit zu tun haben. Erst ganz am Ende öffnet Touko Kaija sein Atelier und damit auch den Teil seiner Persönlichkeit, den er so lange unter Verschluss gehalten hatte. Das Publikum, das mit dem Zeichner durch verbotene und erlaubte Schwulenbars gezogen ist, mit ihm in Haft saß und seinen Kampf gegen Aids kämpfte, kennt diese Seite bereits. Und doch wird man das Gefühl nicht los, das Dome Karukoski einen Großteil davon unter Verschluss hält. So gedämpft wie die Farben sind auch die Gefühle. Selbst die große Liebe zwischen Touko und Veli findet mehr in Worten als in Taten statt.

Fazit: "Tom of Finland" bringt dem Publikum einen großen Unbekannten der finnischen Kunstszene und der schwulen Subkultur nahe. Regisseur Dome Karukoski erzählt Touko Laaksonens Lebensgeschichte in schön fotografierten und wohlüberlegt konstruierten Rückblenden. Etwas mehr Gefühl, Mut und (Melo-)Drama hätte es aber gern sein dürfen.




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FBW: besonders wertvollDie FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.

Das finnische Biopic TOM OF FINLAND erzählt in zeitlicher Verschachtelung die Geschichte des berühmten Künstlers, der wie kein Zweiter der schwulen Lederszene weltweit [...mehr]

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Finnland
Jahr: 2017
Genre: Biopic
Länge: 115 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 05.10.2017
Regie: Dome Karukoski
Darsteller: Jakob Oftebro als Jack, Werner Daehn als Müller, Jimmy Shaw als Policeman
Verleih: MFA Film

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