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Meister der Träume
Meister der Träume
© temperclayfilm production & distribution GbR

Kritik: Meister der Träume (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Für ihre Doku erntete die 52-jährige französische Reporterin Sonia Kronlund viel Lob und Beachtung. Die internationale Kritik feierte den Film, und nach seiner internationalen Premiere in Cannes 2017 gab es fünfzehn Minuten Standing Ovations. "Meister der Träume" ist ihr Debütwerk. Bekannt ist die studierte Philosophin vor allem für ihre Radioreportagen und -reihen, in denen sie sich immer wieder auch Afghanistan widmete. 15 Jahre lang berichtete Kronlund aus dem von Krieg und Terror gebeutelten Land.

"Meister der Träume" liefert einen faszinierenden, umfassenden Blick in eine für uns unwirkliche, schwer zu fassende Welt. Es ist die Welt des Filmmoguls Salim Shaheen, der für seinen Beruf – das Filmemachen – lebt und seine Produktionen in einem Land realisiert, das seit Jahrzehnten Krieg und Zerstörung erlebt. Umso beachtlicher ist, mit wie viel Leidenschaft und Freude er seiner Tätigkeit nachgeht, auch wenn er sein Temperament hier und da schwer zügeln kann. Dies verdeutlicht der Film, der Shaheen stets ganz dicht folgt, immer wieder auf eindrucksvolle Weise und in vielen intimen Momenten. Etwa wenn Shaheen einen - an Klaus Kinski erinnernden - Wutanfall bekommt, nur weil der Kameramann das falsche Motiv im Bild hat.

Dass er selbst Schauspieler ist merkt man unter anderem an der Art und Weise, wie er seine Laiendarsteller und Statisten anweist und ihnen einzelne Szenen erklärt. Dies ist überhaupt vielleicht das interessanteste an "Meister der Träume": Er zeigt ausführlich, wie Filme in einem Land entstehen, dem all jene entscheidenden Voraussetzungen für eine funktionierende Filmwirtschaft und -branche fehlen. Es mangelt an professionellen Schauspielern, gelernten Bühnenbildern, Make-up-Artists, Technikern und Co., unzerstörten Städten, moderner Ausrüstung und natürlich an Geld. In einer Szene bringt es Shaheen auf den Punkt. Nothingwood werde die Filmbranche Afghanistan genannt. Weil das Land nichts habe und Filme aus dem Nichts entstünden.

Trotz der schwierigen Umstände und des harten Alltags macht "Meister der Träume" aber auch klar, dass Shaheen über all die Jahre seinen Humor nicht verloren hat. Er lacht oft, reißt ständig Witze und nutzt seinen Enthusiasmus, um bei seinen Mitarbeiten Begeisterung für seine Projekte zu entfachen. Besonders schön sind die Momente die vergegenwärtigen, was seine Filme für die Bevölkerung bedeuten. So zeigt Kronlund zum Beispiel immer wieder Vorführungen seiner Werke und filmt die entspannt, zufrieden dreinblickenden Gesichter der Menschen, die sich einen Shaheen-Film ansehen. Dabei wird klar: Für eine gewisse Zeit tauchen die Menschen ganz in die filmische Welt Shaheens ein und vergessen dabei kurz ihr entbehrungsreiches Leben.

Fazit: Intimes, ausführliches Porträt über einen leidenschaftlichen, außergewöhnlichen Filmschaffenden und seinen Berufsalltag in einem kriegszerstörten Land.




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