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Ein Hauch von Zen
Ein Hauch von Zen
© Rapid Eye Movies

Kritik: Ein Hauch von Zen (1971)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Heute gilt King Hu längst als einer der wichtigsten Vertreter des asiatischen Kinos. Seine Werke revolutionierten das Wuxia-Genre. Vor allem aber "Ein Hauch von Zen" diente zahlreichen Regisseuren, ganz besonders Ang Lee für dessen oscarprämierten "Tiger & Dragon" (2000) als Vorbild. Wer Hus Filme noch nicht kennt, erhält im August 2017 gleich zweimal die Gelegenheit, dessen grandiose Choreografien auf der großen Leinwand zu bestaunen. Neben "Die Herberge zum Drachentor" (1967) kommt auch "Ein Hauch von Zen" (1971) als restaurierte Digitalkopie in die Kinos.

War "Die Herberge zum Drachentor" ein erstklassiges Gesellenstück, legte King Hu mit "Ein Hauch von Zen" vier Jahre später seine filmische Meisterprüfung ab. Zeit und Raum kennen darin keine Grenzen, wenn Hu seine Geschichte mit epischem Atem vorträgt und seine Figuren die Schwerkraft überwinden lässt. Hier ist nichts, wie es zunächst scheint und Hu wartet lange, bis er all die kleinen und großen Täuschungen offenlegt. Erst nach mehr als einer Stunde bringen virtuos vermittelte Rückblenden erstes Licht ins Dunkel. Und als die Handlung nach einer weiteren Stunde im Grunde schon zu Ende ist, fügt Hu einen 45-minütigen dritten Akt an, in dem sich metaphorische und metaphysische Elemente untrennbar mit den realen vereinen. Hier ist die Gewalt ihres reinen Schauwerts enthoben und philosophisch infrage gestellt.

Wie schon in seinen zwei vorangegangenen Filmen fängt Hu das Geschehen auch in "Ein Hauch von Zen" in atemberaubenden Breitwandaufnahmen ein, die er dieses Mal aber mit einer nie zuvor gesehenen Mischung aus Kamerabewegungen, choreografierten Körpern und perfekt abgestimmten Schnitten bis in den letzten Winkel ausschreitet. Die Kämpfe – ob im hohen Gras eines verlassenen Innenhofs oder zwischen den Stämmen des berühmt gewordenen Bambuswalds – sind anmutige Todesballette. Diese bleiben ebenso haften wie Hus selbstbewusste Frauenfiguren, die im heutigen Actionkino so häufig fehlen.

Fazit: Ein Meisterwerk des Schwertkampffilms. Wer sich auf den langsamen Rhythmus und die ausufernde Handlung einlässt, wird mit atemberaubenden Bildern und Choreografien belohnt, die auch mehr als vierzig Jahre nach ihrer Entstehung begeistern.





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