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Die Herberge zum Drachentor
Die Herberge zum Drachentor
© Rapid Eye Movies

Kritik: Die Herberge zum Drachentor (1967)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In der westlichen Filmgeschichtsschreibung lange Zeit übersehen, ignoriert oder vergessen, gilt King Hu mittlerweile als einer der wichtigsten Vertreter des asiatischen Kinos. Seine Werke revolutionierten das Wuxia-Genre, jene chinesische Spielform des fantastisch angehauchten Schwertkampffilms, die sich bis heute in Blockbustern wie Ang Lees "Tiger & Dragon" oder Yimou Zhangs "Hero" und "House of Flying Daggers" niederschlägt. Dieser Tage bietet sich nun gleich zweimal die Gelegenheit, King Hus grandiose Choreografien auf der großen Leinwand zu bewundern. Neben Hus Epos "Ein Hauch von Zen" (1971) kommt auch der vier Jahre zuvor entstandene "Die Herberge zum Drachentor" (1967) als restaurierte Digitalkopie in die Kinos.

Hu ist hier noch ein gutes Stück entfernt von der Perfektion seines Folgefilms, beweist aber allemal seine herausragende Klasse. Statt epischer, abschweifender Breite ist "Die Herberge zum Drachentor" pure Reduktion. Der Großteil des Geschehens konzentriert sich auf den titelgebenden Ort, die Handlung schreitet geradlinig voran und die Figuren sind Archetypen wie aus einem Western, denen wenige Momente genügen, um ihren Gegenspielern und damit auch uns Zuschauern ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten vorzuführen. So etwa, wenn Neuankömmling Hsiao (Chun Shih) eine Schale Nudeln von einem Tisch zum anderen wirft und damit, ohne seine Waffe ziehen zu müssen, seine Geschicklichkeit verdeutlicht.

Hu fängt das Geschehen in farbenprächtigen Aufnahmen ein, die die volle Breite des Formats nutzen und jede Figur stets genau dort positionieren, wo sie hin sollte. Seine Kampfszenen faszinieren wie die oben beschriebene Episode mit der Nudelschale auch heute noch durch ihre Dynamik und machen Hus meisterhaften Umgang mit Schnitt und Ton bewusst, aus dem ein Großteil dieser Dynamik resultiert. Wer Hus Filme noch nicht kennt, für den ist "Die Herberge zum Drachentor" mehr als ein guter Start.

Fazit: "Die Herberge zum Drachentor" ist ein geradliniges, herrlich fotografiertes und choreografiertes Schwertkampfabenteuer, das auch 50 Jahre nach seiner Entstehung noch auf der großen Leinwand begeistert.





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