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Miss Kiet's Children
Miss Kiet's Children
© dejavu filmverleih

Kritik: Miss Kiet's Children (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Frage, wie Integration gelingen kann, sollte sich jedes Einwanderungsland stellen. "Miss Kiet's Children" gibt darauf eine einfache, entwaffnende Antwort, die es lohnt, von den ganz Kleinen auf die großen Neuankömmlinge übertragen zu werden. Zuhören, die Sorgen, Nöte und Kultur des anderen ernst nehmen, ohne seine eigene Kultur hintanzustellen, sie vielmehr mit Nachdruck, aber stets höflich, respektvoll und begreiflich einfordern, wenn nötig – das sind die Instrumente, die die Grundschullehrerin Kiet Engels in ihrer Integrationsklasse einsetzt, und sie funktionieren ganz wunderbar.

Petra Lataster-Czisch und Peter Lataster, die seit 1989 gemeinsam Filme machen, haben Kiet Engels beim Unterricht zugesehen. Das Duo bleibt stets neutraler Beobachter. Eine kurze Erläuterung ordnet Ort und Situation ein, danach verstellt nichts mehr den Blick auf Frau Kiet und ihre Kinder. Kein Kommentar, der uns die Zusammenhänge erklärt, keine Musik, die Stimmungen verstärkt, keine Interviews mit der Lehrerin, ihren Schülern, Eltern, Vorgesetzten oder Politikern. Was wir über Haya, Branche, Leanne, Jorj und Maksem wissen, erfahren wir im Klassenzimmer, wenn sich die Kamera mit ihnen an einen Tisch setzt. Sie filmt nie von oben herab, sondern ist wie die Lehrerin auf Augenhöhe mit ihren Schülern.

Weil sich der Film Zeit nimmt – er dauert knapp zwei Stunden –, sehen wir eine ermutigende Entwicklung. Wir werden Zeuge, wie sich die neunjährige Haya von einem schüchternen, verheulten Mädchen zu einem Lautsprecher aufschwingt, der andere zum Weinen bringt und immer wieder eingefangen werden muss. Wir begleiten die sechsjährige Leanne, die sich schnell von den anderen geflüchteten Kindern emanzipiert und lieber mit ihren niederländischen Altersgenossinnen spielt. Und im Schicksal des kleinen Jorj, den die Bombennächte aus Syrien im Schlaf bis in die Niederlande verfolgen, begreifen wir schließlich, wie viel die Schule leisten muss, wo eigentlich andere Hilfe angebracht wäre. Dass das nur gelingen kann, weil die Klassen klein sind und von mehreren Lehrerinnen betreut werden, vermittelt dieser Dokumentarfilm wie so vieles nebenbei. Dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, wie Kiet Engels gebetsmühlenartig wiederholt, glauben am Ende aber auch wir.

Fazit: Für eine gelungene Integration braucht es nicht viel. "Miss Kiet's Children" macht das anschaulich, indem er einer Lehrerin bei der Arbeit zusieht. Alles andere erklärt sich in diesem still beobachtenden, wunderbar zurückhaltenden Dokumentarfilm von selbst. Wenn das doch nur so selbstverständlich wäre wie Kiet Engels Pädagogik.




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