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Die Flügel der Menschen
Die Flügel der Menschen
© Neue Visionen

Kritik: Die Flügel der Menschen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Held in diesem Drama des kirgisischen Regisseurs Aktan Arym Kubat ("Der Dieb des Lichts") ist ein Romantiker, der an den alten Mythen seines Volkes hängt und sich mit der neuen Zeit nicht anfreunden kann. Kubat spielt diesen Mann namens Zentaur, der stolz darauf ist, der Sohn eines Pferdehirten zu sein, selbst. Es geht ihm gegen den Strich, wenn reiche Männer aus Prestigegründen edle Rennpferde kaufen und im Stall halten. Zentaur fühlt sich den Pferden, die einem Sprichwort des Nomadenvolks zufolge die Flügel der Menschen sind, auf besondere Weise verbunden. Aber mit der modernen Zeit steht der Außenseiter auf Kriegsfuß. Mit dieser Figur appelliert der Regisseur ans Traditionsbewusstsein und warnt vor sozialer Ungleichheit und Profitstreben, das die Menschen rücksichtslos werden lässt.

Einst führte Zentaur Filme im dörflichen Kino vor, das jetzt als Moschee dient. Nun arbeitet er auf dem Bau. Seine Frau Maripa bittet ihn in Gebärdensprache, mehr mit dem fünfjährigen Sohn zu sprechen, weil dieser zwar hören kann, aber nicht reden will. Zentaur beschäftigt sich liebevoll mit dem Sohn und behandelt auch seine Frau gut – was in dieser Gesellschaft offenbar keine Selbstverständlichkeit ist. Frauen, das wird in diesem Film sehr deutlich, haben im Dorf wenig zu sagen und sind den Männern untergeordnet oder gar ausgeliefert. Es gelten strenge ungeschriebene Gesetze, über deren Einhaltung die Gemeinschaft wacht – so darf Zentaur, weil er verheiratet ist, nicht die Nähe zur Verkäuferin Sharapat suchen, selbst wenn es sich nur um eine platonische Bekanntschaft handelt. Zentaurs Begegnungen mit der lebhaften Sharapat gehören zu den schönsten Szenen des Films.

An manchen Stellen durchzieht ein Anflug von Humor die Handlung, die nicht nur wegen Zentaur selbst von einem rebellischen Geist durchströmt ist. So äußern einige Dorfbewohner ihren Unmut über die islamischen Missionare, die sich im Dorf niederlassen und neue Sitten einführen. Und Zentaur, der einmal in der Moschee betet, steht mittendrin auf, weil er offenbar meint, dass es jetzt reicht. Die imposante kirgisische Landschaft mit den schneebedeckten Bergen im Hintergrund spielt eine wichtige Rolle in diesem Film, der davor warnt, den Respekt vor der Natur und der Schöpfung zu verlieren und den um sich greifenden Egoismus anprangert.

Fazit: Das kirgisische Drama des Filmemachers Aktan Arym Kubat singt ein melancholisches Loblied auf die alten Werte des Nomadenvolks, die Verbundenheit der Menschen mit der Natur und den Pferden. Der Held der Geschichte ist ein Dieb aus edlen Motiven, der die Rennpferde der Oligarchen im Dorf in die Freiheit entlässt und somit gegen den Strom der Zeit schwimmt. Das romantisch-verwegene Freiheitsstreben des sozialen Außenseiters und die imposanten Landschaftsbilder passen in diesem Heimatfilm, der verschiedene gesellschaftliche Phänomene kritisch betrachtet, gut zusammen.




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