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Life on the border - Kinder aus Syrien und dem Irak...chten
Life on the border - Kinder aus Syrien und dem Irak erzählen ihre Geschichten
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Life on the border - Kinder aus Syrien und dem Irak erzählen ihre Geschichten (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für sein jüngstes Projekt hat sich der mehrfach preisgekrönte kurdisch-iranische Regisseur Bahman Ghobadi etwas Besonderes einfallen lassen. Statt selbst zur Kamera zu greifen, drückte er sieben Kindern in verschiedenen Flüchtlingslagern entlang der syrischen Grenze eine in die Hand. Der Abspann zeigt, wie den Nachwuchskräften vor Ort die Grundlagen des Filmemachens beigebracht werden. Vor allem eins sei wichtig, um eine Geschichte zu erzählen: ein gutes Drehbuch. Nicht nur angesichts des jungen Alters der Amateurregisseurinnen und -regisseure sind ihre Geschichten beachtlich. Viele Szenen der sieben Kurzfilme bleiben auch lange nach dem Abspann im Gedächtnis.

Da ist beispielsweise diese verblüffende Aufnahme aus Hazem Khodeides Episode. Der 13-Jährige erzählt von seinem Altersgenossen Birhat, der sich aufopferungsvoll um seine kranke Großmutter und seine traumatisierte Schwester kümmert, nachdem seine Eltern von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verschleppt worden sind. Khodeide zeigt Birhats Bemühungen, seine verstummte Schwester mit riskanten Spielen aufzumuntern. Ganz am Ende fängt dieser aufgeweckte Junge mit einer Blechdose die Spiegelung eines vorbeijagenden Düsenjets in einer Pfütze ein. Ein irres, poetisches und so vieldeutiges Bild.

Dann ist da der von Verbrennungen gezeichnete 13-jährige Diar, der eine neue Brille für seinen Vater sucht, dabei über allerlei Kuriositäten stolpert und am Ende eine salomonische Lösung für das Problem findet. Delovan Kekha wiederum zeigt auf seiner Suche nach Medikamenten, dass der Alltag in den riesigen Zeltstädten ungeachtet des Krieges einfach weitergeht. Im Vorbeigehen beobachtet er eine Hochzeit und die gebannten Blicke zum Himmel, die auf ein Flugzeug mit Nachschub hoffen. Wir sind dabei, wenn der 13-jährige Mahmod Ahmad in den Trümmern seines Hauses den toten Vater findet und werden Zeuge, warum mit dem Tod ihrer Eltern auch der wunderschöne Gesang der 12-jährigen Zohur Saeid erstirbt.

Und schließlich ist da dieses Mädchen im roten Pullover in Basmeh Soleimans Episode. Soleiman geht es wie so vielen Kindern abseits ihres öden Alltags um das Schicksal der jesidischen Frauen und Mädchen, die vom IS nahe Sindschar gefangen genommen, missbraucht und versklavt wurden. Soleimans Freundin im roten Pullover richtet wieder und wieder dieselbe Botschaft direkt in die Kamera. Sie fleht die Welt nicht um Essen, Geld oder ein Dach über dem Kopf an, sondern um Hilfe bei der Befreiung der verschleppten Jesiden. "Wo ist die Weltgemeinschaft, wenn sie gebraucht wird?", lautet ihre nachdrückliche, schmerzvolle Klage.

Wie die Orte, von denen die Episoden erzählen, ist vieles an diesem Omnibusfilm nicht perfekt. Die Bilder sind teils grob und verwackelt, die Voice-over-Übersetzung ist allzu aufdringlich. Und doch spielt das keine Rolle. Denn auch wenn sich die Alltage und Schicksale gleichen, sich viele Szenen wiederholen, ist den sieben Kindern ein facettenreiches, berührendes, oft tieftrauriges, manchmal komisches und dennoch hoffnungsfrohes Panoptikum eines Lebens auf der Flucht gelungen.

Fazit: "Life on the border" lässt sieben geflüchtete Kinder ihre Geschichten selbst erzählen. Bahman Ghobadis mutiges Konzept funktioniert nicht nur auf dem Papier. Den kleinen Nachwuchsregisseurinnen und -regisseuren ist ein facettenreiches, bewegendes Panoptikum gelungen, das zum Nachdenken anregt.





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