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Kritik: Cleo (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Langfilmdebüt des Regisseurs Erik Schmitt ist ein modernes Großstadtmärchen, das mit einer bunten Fülle kreativer Stilmittel erzählt wird. Realität und Fantasie gehen in dieser humorvoll leichten Geschichte originelle Verbindungen ein. Sie handelt von einer jungen Frau, die sich danach sehnt, die Zeit zurückzudrehen und den Tod der Eltern ungeschehen zu machen. Ihre Schatzsuche führt sie nicht nur in die Historie der Stadt, sondern verlangt auch eine Entscheidung in Sachen Liebe.

Folgt man der Prämisse des Films, dann ist Berlin voll von Geschichten über die Liebe. Aber es gibt auch die Einsamkeit moderner Großstadtmenschen. Cleo hat eine betagte Nachbarin, die so gerne von ihr besucht werden möchte. Auch einsame Menschen wie Cleo können sich anderen verweigern, ohne es so richtig zu merken. Paul kommt ebenfalls nicht an die verschlossene Cleo heran – ihr Herz ist seit dem Tod des Vaters von einer Steinmauer umgeben, wie eine Animation verrät. Doch als Schatzsucher bilden die beiden ein gutes Team. Cleo kann auch ihre Fähigkeit, mit historischen Persönlichkeiten zu sprechen, für diesen Zweck nutzen. Einstein, Max Planck, die Bankräuber und andere längst Dahingeschiedene erscheinen ihr als schemenhafte Gestalten in Schwarz-Weiß.

Weil ein geheimer Schatz ja normalerweise in der Erde vergraben ist, wird auch hier viel durch unterirdische Schächte gerobbt. Spannender als die Haupthandlung ist da schon das bunte Sammelsurium an Nebenfiguren und peppigem Begleitmaterial. Es gibt einen Moderator und Stadtführer, der immer die Uhrzeit ansagt und in einem Kellerarchiv arbeitet. Zwei urige Typen, gespielt von Heiko Pinkowski und Max Mauff, helfen bei der Schatzsuche mit, weil sie handwerklich begabt und für ein wenig Ganovenspaß zu haben sind.

Häufige Animationen und eine Unzahl gestalterischer Ideen – ein Wohnzimmer verwandelt sich in ein Fahrzeug, vor dessen Fenster die Stadt vorbeirauscht, Paul und Cleo mühen sich ab, eine gekippte Bildebene zu erklimmen – drücken der Handlung einen zackigen Rhythmus auf. Dazu erklingt oft flotte Musik. Das Überangebot stilistischer Mittel und Kreativität wirkt allerdings auch anstrengend. Die Geschichte von Cleo und Paul verblasst dahinter, aber die Figuren besitzen ja auch wenig eigenen Charakter. So will sich das Gefühl der Bezauberung bei dieser filmemacherischen Talentprobe nur halbwegs einstellen.

Fazit: Das Spielfilmdebüt des Regisseurs Erik Schmitt erweist sich als mit viel stilistischer Kreativität erzähltes modernes Großstadtmärchen. In Berlin sehnt sich die junge Titelfigur nach einer lange vergangenen Zeit und verweigert sich weitgehend dem Abenteuer des Lebens, bis sie ein Mann zu einer Schatzsuche animiert. Die originelle Verzahnung von Realität und Fantasie und die experimentierfreudige visuelle Gestaltung lassen die Geschichte jugendlich frisch wirken. Der Fülle optischer Ideen kommt aber das rechte Maß abhanden, vor allem im Vergleich mit dem zunehmend banalen Verlauf der Handlung.




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