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Rakete Perelman
Rakete Perelman
© Daredo Media GmbH

Kritik: Rakete Perelman (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Oliver Alaluukas kennt sich mit dem Thema seines Regiedebüts aus. Er kommt vom freien Theater, das er mit 17 Jahren als etwas unendlich Großes empfand und unter dessen Zwängen er sieben Jahre später litt. Diese Erfahrung merkt man "Rakete Perelman" an. Alaluukas' Tragikomödie erzählt nicht nur von den Schwierigkeiten, einen gemeinsamen Traum in einer Gruppe zu leben, sondern auch etwas über die Schauspielerei an sich, auf und abseits der Bühne. Schließlich sei das Leben voller Widersprüche, wie es der Kommunengründer Tobias (Tobias Lehmann) an einer Stelle formuliert. Man wolle das eine und mache das andere, spielt letztlich also auch in der Freiheit der Künstlerkolonie nur eine Rolle.

Als Jen (Liv Lisa Fries) dazu stößt, haben sich die Abläufe längst eingeschliffen. Drehbuchautor Johannes Rothe, der mit "Rakete Perelman" wie der Regisseur sein Langfilmdebüt gibt, dröselt die Widersprüche und Konflikte deshalb in lauter kleine Paarbeziehungen auf. Das Liebesdreieck zwischen Jen, Til (Gordon Kämmerer) und Miro (Kai Michael Müller) spiegelt er im einstudierten Theaterstück. Schauspielerisch funktioniert das wunderbar, erzählerisch nur bedingt, weil die Übergänge manchmal holpern und die Konstruktion vieler Szenen, besonders die des dramatischen Endes erkennbar bleibt. Die von Miro aufgenommen Dokumentarschnipsel wirken eher wie ein Notbehelf, der Handlung nachträglich Struktur zu geben.

Bei all dem überzeugenden Schauspiel ist "Rakete Perelman" aber auch ein schön fotografierter Film. Kameramann Valentin Selmke gibt ebenfalls sein Debüt auf der Langstrecke und ringt der brandenburgischen Landschaft oder der nächtlichen Party im fluoreszierenden Look manche beeindruckende Ansicht ab. Zudem besorgt bereits die Wahl seiner Einstellungen im Verbund mit Rothes lebensnahen Dialogen den einen oder anderen Gag. Eine Antwort auf die Frage, wie wir zusammenleben wollen, bleibt "Rakete Perelman" letztlich schuldig, macht aber Hoffnung, dass Oliver Alaluukas sie vielleicht ja im nächsten Film gibt.

Fazit: Oliver Alaluukas' Langfilmdebüt wirft einen mal komischen, mal tragischen Blick auf das Zusammenleben in einer Künstlerkolonie. Das ist in erster Linie schön fotografiertes Schauspielerkino. Denn die Erzählung legt ihre Konstruktion zu leicht offen und bleibt letztlich etwas substanzlos.





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