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Kritik: Vanatoare (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Vânâtoare" ist das Langfilm-Regiedebüt der 1982 in Rumänien geborenen Alexandra Balteanu, die an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin studierte. Dem Drehbuch, das Balteanu gemeinsam mit Xandra Popescu verfasste, ging eine intensive Recherche voraus; die Bilder des Kameramannes Matan Radin haben etwas Dokumentarisches. Auf Deutsch heißt der Titel in etwa "Jagd" – es geht um die Jagd nach Geld, nach Unabhängigkeit und Glück.

Das Werk, welches seine Premiere bereits 2016 in San Sebastián feierte, fängt circa 24 Stunden im Leben dreier Frauen im Umkreis von Bukarest ein, die aus Geldnot der Prostitution nachgehen. Die Hintergründe des Protagonistinnen-Trios werden lediglich skizziert: Wir erhalten einen kurzen Einblick in die familiäre Situation der zweifachen Mutter Lidia, die mit ihrem Ehemann Tauben züchtet; von Denisas Beziehung zu einem mittellosen, arbeitsunwilligen Mann erfahren wir nur das, was Denisa Lidia in Gesprächen erzählt – und auch die backstory der jüngeren Vanesa wird nicht ausgestaltet. "Vânâtoare" ist somit kein klassisch-narratives Kino; vielmehr interessiert sich der Film für den Prozess des Harrens an einem Nicht-Ort. Die drei Frauen verbringen den Tag an einer mehrspurigen Straße unter einer Autobahnbrücke – Last- und Personenkraftwagen rauschen an ihnen vorbei; nur selten hält ein Fahrzeug an. Der Verkehrslärm ist stets gegenwärtig; die Kälte wird in den langen, tristen Einstellungen spürbar. Zu den wenigen anderen Schauplätzen zählt eine kleine Bar mit Spielautomaten, die nicht minder trostlos wirkt. In dieser Bebilderung zeigt sich das große Beobachtungstalent von Balteanu und Radin.

Der Film setzt nicht auf dramaturgische Zuspitzung; im letzten Drittel geraten Lidia, Denisa und Vanesa jedoch mit zwei Polizisten in Konflikt, die ihnen das wenige Geld, das sie im Laufe des Tages verdient haben, wegnehmen und sie demütigen. Corina Moise, Iulia Lumanare und Iulia Ciochina verkörpern ihre Rollen glaubhaft; sie verleihen ihren Figuren sowohl Härte als auch Melancholie zwischen Routine und erbittertem Kampf.

Fazit: Ein gut beobachteter Film, der sich in betont trüben Aufnahmen dem Alltag dreier Sexarbeiterinnen widmet. Das Spiel der Hauptdarstellerinnen überzeugt.




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