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Kritik: Djam (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Filmemacher Tony Gatlif ("Gadjo Dilo – Geliebter Fremder", "Transylvania") wurde 1948 im damals noch zu Frankreich gehörenden Algerien als Sohn eines Kabylen und einer Roma geboren. Die Themen "Musik" und "Exil" ziehen sich durch sein Schaffen – und auch sein aktuelles Werk "Djam" ist ein wilder Mix aus musikalischen Nummern und unberechenbarem Roadmovie, in welchem auf kluge Weise vom Schicksal der Migrantinnen und Migranten erzählt wird.

Die Odyssee der Titelheldin, die von Lesbos nach Istanbul und wieder zurück führt, dient Gatlif dazu, Begegnungen in Szene zu setzen und Einblicke in unterschiedliche, oft desolate Lebenssituationen zu geben; obendrein werden eine Freundschafts- und eine Familiengeschichte geschildert. Die Finanz- und Flüchtlingskrise in Griechenland wird somit nicht in Form eines Thesenfilms behandelt, sondern vermittelt sich in Blicken und Gesten sowie in vielen eindrücklichen Bildern des Kameramanns Patrick Ghiringhelli – etwa in Bergen von zurückgelassenen Rettungswesten, die am Strand liegen und dort von Djams neuer Freundin Avril entdeckt werden.

Hinzu kommt der leidenschaftliche Einsatz von Rembetiko-Musik: Der sogenannte "griechische Blues" ging Anfang des 20. Jahrhunderts aus griechisch-türkischen Traditionen hervor und passt mit seinem subversiven Stil, seiner Kombination von Renitenz und Melancholie perfekt zur Protagonistin des Films, die sich stets temperamentvoll durch die turbulenten Geschehnisse bewegt und dabei doch auch eine tragische Figur mit erkennbaren seelischen Narben ist. Die theatererfahrene Hauptdarstellerin Daphné Patakia verleiht diesem Part viel Verve – Djam singt, tanzt, greift beherzt zum Baglamas (einem griechischen Saiteninstrument), ist mal in bester, mal in extrem mieser Laune und ebenso unbändig wie die Rembetiko-Klänge. Patakias Co-Star Maryne Cayon verkörpert als Französin Avril indes glaubhaft die Entwicklung einer zunächst überaus naiven jungen Frau, die mit den Zuständen eines Landes und dessen Bevölkerung konfrontiert wird.

Fazit: Eine stürmische Mischung aus Musik und Migrationsstudie mit starken Aufnahmen und zwei energischen Schauspielerinnen im Zentrum.




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