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Animals - Stadt Land Tier
Animals - Stadt Land Tier
© Film Kino Text

Kritik: Animals - Stadt Land Tier (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit der schweizerisch-österreichisch-polnischen Koproduktion "Animals – Stadt Land Tier" setzt der 1968 in Warschau geborene Greg Zglinski eine Vorlage des Filmemachers Jörg Kalt um, welcher sich 2007 im Alter von 40 Jahren das Leben nahm. Zglinski, der lange Zeit in der Schweiz wohnte, ehe er nach Polen zurückkehrte und dort unter anderem zu einem Schüler von Krzysztof Kieślowski ("Der Zufall möglicherweise") wurde, entdeckte Kalts Drehbuch bereits vor einer Dekade – und hat daraus nun ein überaus einnehmendes Werk geschaffen, das als Mix aus Beziehungsdrama, Psychothriller und Mystery im besten Sinne für Irritation sorgt.

Von Anfang an lässt Zglinski uns ahnen, dass wir dem, was hier zu sehen und zu hören ist, nicht gänzlich trauen dürfen: So gibt es etwa nach einem gezeigten Fenstersturz keine Leiche auf dem Asphalt – und Momente der Bedrohung erweisen sich alsbald als Albträume. Gekonnt werden zwei Handlungsstränge miteinander verwoben – zum einen die Reise und der Berghütten-Aufenthalt des Ehepaares Nick und Anna, zum anderen die Erlebnisse von Mischa, die sich um die Wohnung der beiden kümmern soll. Sowohl die Kameraarbeit von Piotr Jaxa als auch die Montage von Karina Ressler und, nicht zuletzt, die unbehaglichen Klänge von Bartosz Chajdecki tragen dazu bei, dass eine enorme Sogwirkung erzeugt wird. Dabei gelingt es Zglinski und seinem Team, einerseits äußerst subtil und anspruchsvoll zu erzählen und andererseits sehr unterhaltsam zu sein. "Animals" ist kein sperriger Film, aber gewiss eine Herausforderung für sein Publikum. Neben den titelgebenden Tieren – dem Schaf auf der Landstraße, dem suizidalen Vogel im Chalet oder der sprechenden schwarzen Katze – geben uns das traditionsreiche Motiv der Doppelgängerinnen sowie diverse Konfusionen in der Raum- und Zeitwahrnehmung der Figuren und plötzliche Perspektivwechsel interessante Rätsel auf. Was ist real und was ist Einbildung? Mit eindeutigen Antworten warten Skript und Inszenierung nicht auf – und das macht dieses Werk nur umso spannender.

Bemerkenswert sind zudem die schauspielerischen Leistungen: Birgit Minichmayr ("Alle Anderen") lässt uns spüren, wie Anna mehr und mehr den Halt verliert und an sich sowie an ihrer Umgebung zu zweifeln beginnt. Philipp Hochmair ("Kater") legt seinen Part des untreuen Gatten so ambivalent an, dass man Nick nie so recht zu durchschauen vermag. Und Mona Petri liefert eine herrlich facettenreiche Performance. Bravo!

Fazit: Ein faszinierendes filmisches Verwirrspiel mit großartiger Bild- und Tongestaltung sowie einem superben Trio in den Hauptrollen.




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