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Kritik: Pink Elephants (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Er selbst sieht sich als führender Schauspielcoach Hollywoods, dessen ganze Vermarktung auf diesen Slogan hin ausgerichtet ist: Bernard Hiller, der seit 1980 auch als Tänzer, Sänger, Autor sowie Lebens- und Unternehmensberater arbeitet. Viele namhafte Schauspieler gingen bei ihm in die "Lehre", darunter Leonardo DiCaprio, Cameron Diaz oder auch Chace Crawford ("Gossip Girl"). Auch Filmemacherin Susanne Bohlmann ist – wie Hiller – beruflich vielseitig aufgestellt. So ist sie auch noch als Film-Editorin und Autorin tätig. Sie veröffentlichte den Ratgeber "Filmszenen für Schauspieler und Filmemacher".

"Pink Elephants" blickt hinter die Kulissen von Hillers Workshops, was an sich schon ein Kuriosum darstellt. Denn eigentlich verbietet Hiller es seinen Schülern, über die Inhalte und Vorkommnisse in den Kursen zu sprechen. An einer Stelle im Film verweist er nochmals ganz explizit darauf. Geschweige denn, dass es irgendjemandem erlaubt wäre, Fotos zu machen oder Videos zu drehen. Allein dieser Umstand, dass "Pink Elephants" als erste dokumentarische Arbeit überhaupt solch intensive Einblicke in Hillers Arbeit mit seinen Schülern gewährt, verschafft dem Film eine Art Alleinstellungsmerkmal.

Was der Film zeigt, wie also die mythenumrankten Workshops ablaufen, verstört dann doch in höchstem Maße. Hiller sieht sich selbst als eine Art Schauspiel-Gott. Als Übervater und Mentor seiner Schüler, von Gott höchst selbst auserkoren, die beste Leistung aus den Teilnehmern herauszukitzeln. Die Methoden, die er dafür anwendet, sind mehr als fragwürdig. Hiller scheut nicht vor Demütigungen und manipulativen Vorgehensweisen zurück. Und vor Willkür schon gar nicht. Einmal zum Beispiel entscheidet die Klasse darüber, wer den Kurs verlassen muss – vor den Augen aller. Hiller nutzt diese Abstimmung für unterschwellige Beeinflussung und psychischen Druck.

Unter den Schauspielern fließen häufig Tränen. Viele scheinen die herabwürdigende Art Hillers, der seinen Schülern eigenes Denken untersagt, nicht zur ertragen. Wen wundert’s. Dass sie sich bei den Interviews dennoch so positiv und überschwänglich äußern, will dazu nicht so recht passen. Dieser dreitägige Kurs hätte sein komplettes Leben verändert, schwärmt einer der Teilnehmer. Und eine Schauspielschülerin erklärt euphorisch, dass sie während der Übungen bemerkt habe, wie sie sich immer besser und selbstbewusster fühle. Diese Äußerungen wirken wie kostenlose PR für Hillers Kurse. Überhaupt hätte dem Film eine etwas kritischere und differenziertere Note gut getan. Toll wäre es zum Beispiel gewesen, wenn Kritiker und Gegner Hillers zu Wort gekommen wären und ihre Sicht der Dinge dargelegt hätten.

Fazit: Ebenso spannende wie kritiklose Einblicke in die Arbeit eines der umstrittensten Schauspieltrainers der Welt, der mit seinen geäußerten Verboten, Psycho-Spielchen und manipulativen Verhaltensweisen an einen Sekten-Guru erinnert.




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