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Kritik: Ex Libris (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Ex Libris – Die Public Library von New York" legt der 1930 geborene US-Filmemacher Frederick Wiseman nach mehr als 40 Regiearbeiten erneut ein dokumentarisches Porträt einer Institution vor. Wie in "La Danse – Das Ballett der Pariser Oper" (2009) oder "National Gallery" (2014) verzichtet er auch hier auf Äußerungen via voice-over sowie auf Interviewpassagen oder eine musikalische Untermalung der Aufnahmen. Mit seinem Kameramann John Davey beobachtet Wiseman nach dem Fly-on-the-wall-Prinzip das Geschehen in der New York Public Library – und liefert auf diesem Wege Einblicke, die trotz einer Laufzeit von 197 Minuten überaus kurzweilig sind.

Das Werk, das seine Premiere 2017 im Wettbewerb der 74. Internationalen Filmfestspiele von Venedig feierte, zeigt Ausschnitte aus Vorträgen und Podiumsdiskussionen, etwa zum Thema jüdische Kultur oder zur Geschichte der Sklaverei, und wirkt dabei nie so, als würden diese Veranstaltungen einfach nur abgefilmt werden. Vielmehr wird das Wissen, das Engagement und die Leidenschaft der Redenden ebenso in den Kinosaal transportiert wie das Interesse der Zuhörenden. Obwohl wir stets nur Bruchstücke zu sehen und zu hören bekommen, vermitteln diese Szenen perfekt die inspirierende Kraft dieses Angebots, das gelegentlich auch mit bekannten Gesichtern (etwa Elvis Costello) aufwartet.

Überdies fangen Wiseman und Davey ein, wie die Außenstellen der Bibliothek als Räume für gemeinschaftliche und soziale Aktivitäten genutzt werden – seien es Programme für Kinder, Sprach-, Computer- oder Tanzkurse. Mit dem Ziel, Bildung und Kultur für alle Menschen zur Verfügung zu stellen, erweist sich die New York Public Library als Ort der Diversität und des Humanismus, "ein Ideal der Inklusion, Demokratie und Meinungsfreiheit" (wie Wiseman es in einem Statement zu seinem Film selbst formuliert). Reizvoll sind nicht zuletzt die Blicke hinter die Kulissen – etwa wenn der aktuelle Präsident und CEO Anthony Marx mit seinem Team wichtige Fragen wie die Digitalisierung der Sammlung oder den Umgang mit Obdachlosen im Gebäude bespricht. Bemerkenswert sind auch die Momente, die sich dem Telefondienst widmen, bei welchem die unterschiedlichsten Anliegen von Leuten (zum Beispiel eine Spurensuche nach Einhörnern) fernmündlich bearbeitet werden.

Fazit: In Frederick Wisemans aufmerksamer Beobachtung der New York Public Library entsteht das komplexe, faszinierende Bild eines Ortes, der Bildung vermittelt und soziale Interaktion ermöglicht.




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