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Glory
Glory
© barnsteiner-film © MOUNA Filmverleih

Kritik: Glory (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Glory" präsentiert das bulgarische Regie-Duo Kristina Grozeva und Petar Valchanov nach dem Festival-Erfolg "The Lesson" (2014) ein neues gemeinsames Werk. Das Drehbuch, welches die 1976 geborene Grozeva und der 1982 geborene Valchanov zusammen mit Decho Taralezhkov verfassten, schildert mit satirischer Zuspitzung eine tragische Geschichte, die beinahe zwangsläufig in ein fatales Ende mündet. Dabei schafft es der Film, einerseits einen kritischen Blick auf die aktuelle gesellschaftlich-politische Lage in Bulgarien zu werfen und andererseits eine universelle Erzählung über Korruption und Ausbeutung sowie deren Folgen zu liefern.

Der Protagonist wird dafür, dass er den Fund einer großen Geldmenge meldet, statt sich an dieser zu bereichern, von seinen Kollegen als "Dummkopf der Nation" bezeichnet, von der PR-Abteilung des Verkehrsministeriums indes aus eigennützigen Motiven zum Helden stilisiert – wenngleich Tzanko durch sein Stottern und sein Erscheinungsbild nicht dem Ideal entspricht und sich das Team um die Leiterin Julia in den schicken Büroräumen über den Mann lustig macht. Grozeva und Valchanov machen deutlich, wie Tzanko als Werkzeug eingesetzt werden soll – und in welche Abwärtsspirale die Figuren dabei geraten.

Margita Gosheva, die bereits in "The Lesson" die Hauptrolle spielte, verkörpert die Public-Relations-Managerin als rücksichts-, aber doch nicht gänzlich gewissenlose Person. Mehrmals stößt die 40-jährige Julia ihren Ehemann Valeri (Kitodar Todorov), mit dem sie sich gerade für eine künstliche Befruchtung zur Erfüllung des gemeinsamen Kinderwunsches entschieden hat, vor den Kopf, indem sie ihren Job über alles andere stellt; der Eisenbahnarbeiter Tzanko ist für sie nur Mittel zum Zweck. Was rasch zur Karikatur einer eiskalten Karrierefrau hätte werden können, wird durch Goshevas Interpretation zu einer interessanten Figur. Auch Stefan Denolyubov überzeugt in seinem Part als mittelloser Streckenwärter – insbesondere durch seine Körpersprache.

Fazit: Eine schonungslose Gesellschaftsstudie, der die Balance zwischen Absurdität und Tragik gelingt, nicht zuletzt dank des gekonnten Schauspiels.





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