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Wann wird es endlich wieder Sommer
Wann wird es endlich wieder Sommer
© barnsteiner-film

Kritik: Wann wird es endlich wieder Sommer (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm von Barbara Lubich und Michael Sommermeyer schildert die Entstehung der Gruppe Banda Internationale aus Sachsen, in der Deutsche und Flüchtlinge gemeinsam Musik machen. Dabei erproben sie den interkulturellen Dialog und demonstrieren ein Stück gelebter Integration. Auf diese Weise setzt die Band ein starkes, öffentliches Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit. Banda Internationale sorgt dafür, dass Dresden nicht mehr nur mit der Pegida-Bewegung in Verbindung gebracht wird. Ein vernehmbarer Hauch von Weltoffenheit weht auf einmal durch die Stadt.

Ein Jahr lang haben die Filmemacher die Band begleitet und immer wieder beobachtet, wie die deutschen Mitglieder mit den Flüchtlingen gemeinsam einen musikalischen Ausdruck suchen. Das Repertoire der Band wird bunter, arabischer, jazziger. Wenn die Band mit ihren vielen Teilnehmern musizierend durch die Straßen zieht oder auf Märkten und vor Flüchtlingsheimen spielt, wippen Zuschauer fröhlich mit. Die beschwingte Stimmung steckt an und lässt erleben, dass die Neuankömmlinge eine kulturelle Bereicherung für das Land sein können.

Oft befinden sich im Publikum viele Migranten aus dem arabischen Raum, die freudig zur Musik tanzen. Ein Stück Heimat wird ihnen geboten und das Signal, dass ihre Kultur, ja sie selbst, hier auf positives Interesse stoßen. Sie bekommen vorgeführt, dass das Miteinander von Einheimischen und Flüchtlingen auf der Bühne klappt. Die Kamera beobachtet auch, wie die Bandmitglieder ins Gespräch kommen und porträtiert einzelne von ihnen. Auch einige der Gründungsmitglieder stammen wie Frontmann Michał ursprünglich aus dem Ausland oder sind innerdeutsche Migranten.

Nicht immer herrscht eitel Sonnenschein, der Dialog kann auch scheitern. Unter den Flüchtlingen schwelen manchmal ethnische Spannungen. Manche, die in ihrer Heimat Musiker waren, finden die Band, die vor allem ein politisches Zeichen setzen will, auf Dauer nicht professionell genug. Andere werden von der Behörde in neue Orte versetzt, oder sie widmen sich ihrem Studium und der Existenzgründung. Aber auch ihnen hat die Zeit mit der Band bei den ersten, schwierigen Schritten in diesem Land und bei der Überwindung der Einsamkeit geholfen.

Fazit: Dieses dokumentarische Porträt der Dresdner Musikgruppe Banda Internationale setzt einen fröhlichen Kontrapunkt zur in der Stadt der Pegida-Bewegung grassierenden Ausländerfeindlichkeit. Wenn Deutsche und Flüchtlinge, die aus ihrer Heimat eine reiche musikalische Kultur mitbringen, als Band gemeinsam Lieder spielen und durch die Straßen ziehen, gelingt eine Demonstration funktionierenden Dialogs. Die Beobachtung der Band, ihrer Proben und die Erzählungen ihrer Mitglieder machen deutlich, wie lohnend es sein kann, trotz kultureller Unterschiede aufeinander zuzugehen und einen freundschaftlichen Umgang zu pflegen.




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