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Walter Pfeiffer: Chasing Beauty
Walter Pfeiffer: Chasing Beauty
© Salzgeber & Co

Kritik: Walter Pfeiffer: Chasing Beauty (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieser Dokumentarfilm über den Schweizer Fotografen Walter Pfeiffer stammt vom Regisseur Iwan Schumacher, der gleichzeitig mit ihm in den 1960er Jahren die Züricher Kunstgewerbeschule besuchte. Wenn Pfeiffer vor der Kamera steht, spricht er also mit einem alten Bekannten, er scherzt und ist guter Dinge. Eine gelöste, heitere Atmosphäre durchzieht den ganzen Film, der Pfeiffers kreativen Werdegang, seine wiederholten stilistischen oder inhaltlichen Neuanfänge Revue passieren lässt. Außer dem Künstler kommen auch Weggefährten, Museumskuratoren und etliche seiner ehemaligen Models zu Wort, die inzwischen selbst ein gesetztes Alter erreicht haben.

Dieser Film ist in erster Linie ein Fest der Bilder. In Pfeiffers Fotografien lässt sich das künstlerische Wesen dieses Mannes, der ein so gutes Auge für junge, modische Ästhetik hat, am besten erspüren. Viele der oft auf der Straße entdeckten Models haben eine androgyne, empfindsame Ausstrahlung. Sie schauen manchmal durch Blumen hervor oder tragen eher weiblich anmutende Accessoires auf nackter Haut. Zu Pfeiffers Oeuvre gehören Schwarz-Weiß-Fotografien ebenso wie bunte Inszenierungen, in denen ein Interesse an Design und Dekoration sichtbar wird.

Sehr aufschlussreich sind einzelne Statements seiner ehemaligen Models, die sich gerne an die Fotosessions bei Pfeiffer erinnern und an den Spaß, den sie dabei hatten. Dieser Künstler wirkt eher wie ein Trendscout, der mit seinen Models spielerische Einfälle ausprobiert, als wie ein Schöpfer, der etwas festhalten und sich darin selbst verewigen will. Aus den Fotos spricht ein Staunen über das junge Leben, seine Farben und sein Blühen, und dieses Staunen betonen auch Weggefährten als Charakteristikum Pfeiffers. Er selbst spricht von Phasen in seinem Schaffen, der Freude, keine Karriere zu verfolgen, sondern sich immer wieder jenseits kommerzieller Aspekte den eigenen Interessen zu widmen. Als Person hält sich Pfeiffer dennoch relativ bedeckt und so fehlt diesem Film auch ein wenig der vertiefende Diskurs über Versuch und Irrtum, offengebliebene Fragen im eigenen Schaffen und Ähnliches. Aber die Schönheit und der Witz in Pfeiffers Bilderwelt prägen sich dem Zuschauer nachhaltig ein.

Fazit: Iwan Schumachers Dokumentarfilm porträtiert den 71-jährigen Schweizer Fotografen und Zeichner Walter Pfeiffer, indem er die verschiedenen Schaffensperioden seines reichhaltigen Werks Revue passieren lässt. Am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn steht schon das Fotografieren junger Männer, das ihn immer wieder reizt, obwohl er auch mit Modefotos bekannt wird, auf denen weibliche Models posieren. Ähnlich wie die amerikanische Pop Art erforscht auch Walter Pfeiffer mögliche Schnittstellen von Gebrauchskunst, individuellem Ausdruck und Zeitgeist. Der Film lässt die Zuschauer die Entdeckungslust spüren, die im Blick dieses Fotografen mit seinem Sinn für jugendliche Schönheit und Lebensfreude steckt.




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