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Kritik: Mr Gay Syria (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die aus Istanbul stammende und mittlerweile in Brüssel lebende Filmemacherin Ayşe Toprak befasst sich in ihrem dokumentarischen Werk "Mr. Gay Syria" mit dem Journalisten Mahmoud Hassino und dessen Bemühungen, die Sichtbarkeit der syrischen LGBTI-Community zu erhöhen. Hierfür soll in Istanbul ein geflüchteter syrischer Kandidat für den "Mr. Gay World"-Wettbewerb gefunden werden: ein Repräsentant aller nicht-heteronormativen Menschen aus dem Nahen Osten.

Toprak fängt mit ihren Kameraleuten Hajo Schomerus und Anne Misselwitz das unermüdliche Engagement Hassinos ein und gibt zugleich Einblick in die Lebenssituationen einiger "Mr. Gay Syria"-Kandidaten. Gleich zu Beginn des Films lässt die Regisseurin uns durch einen kurzen Vorgriff wissen, dass Husein – der in Istanbul zu besagtem Repräsentanten bestimmt wird und somit am internationalen Wettbewerb auf Malta teilnehmen soll – auf Hindernisse und Enttäuschungen stoßen wird. "Alles ist verkehrt gelaufen", stellt Husein in den ersten Filmminuten fest – und doch sei alles, was passiert ist, besser als sich selbst einzusperren. Topraks Arbeit schildert daher nicht den ganz großen Triumph über die Unterdrückung – sondern erzählt von dem Mut des Versuchs, von dem Kampf und der Stärke der Kämpfenden.

Toprak begleitet Husein und ein paar weitere junge Männer im Alltag, filmt sie im Job und im Privaten und widmet sich den Vorbereitungen der Kandidaten für den in einem Nachtclub stattfindenden "Mr. Gay Syria"-Wettbewerb, dessen Gewinner nach Malta reisen soll. Dabei wird deutlich, dass ein Sieg für die Männer der Anfang eines neuen, freieren Lebens sein könnte. Wenn Husein auf der Bühne einen selbst geschriebenen Monolog darbietet, in welchem ein Sohn der Mutter offenbart, dass er schwul ist, ist das einer von vielen eindrücklichen Momenten dieses Werks. Es wird spürbar, wie zermürbend das Führen eines erzwungenen Doppellebens ist – und doch lässt der Film auch Hoffnung zu.

Fazit: Ein Dokumentarfilm über die LGBTI-Bewegung syrischer Geflüchteter in Istanbul, der die Bereitschaft der Menschen, sich für Sichtbarkeit und Freiheit einzusetzen, auf bewundernswerte Weise zeigt.




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