oder

FBW-Bewertung: Letztendlich sind wir dem Universum egal (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Basierend auf dem gleichnamigen Roman von David Levithan gelingt Regisseur Michael Sucsy ein bemerkenswerter Liebesfilm, der insbesondere auch (aber keineswegs ausschließlich) für ein jugendliches Publikum zu empfehlen ist. Erzählt wird die Liebe der 16-jährigen Rihannon zu ?A?, einer Seele, die in keinem eigenen Körper geboren wurde, sondern deren Schicksal darin besteht, täglich in einem anderen aufzuwachen. Was nach einer paranormalen Romanze ? la ?Twilight? klingt, entpuppt sich als ein auf erstaunliche Weise geerdeter Liebesfilm. Michael Sucsy zeigt sich in keiner Weise interessiert am Fantasy-Aspekt der Geschichte, die sich zweifelsohne mit großem Effektaufwand ausschlachten ließe. Vielmehr siedelt er den Film so gekonnt im Alltag der jugendlichen Protagonisten an, dass das paranormale Moment vom Zuschauer schnell als gegeben akzeptiert wird. Und so bleibt viel Raum für die in dieser Grundidee verborgenen Botschaften, sich nachhaltig zu entfalten.
Zum Beispiel, dass es beim Menschen nur auf die inneren Werte ankommt. Denn Rihannon liebt?A?ganz unabhängig von seinem täglich wechselnden Aussehen ? und auch unabhängig von seinem wechselnden Geschlecht. Als Frau küsst sie ?A? genauso gerne wie als Mann, mehr noch bleibt eine Geschlechtsspezifizierung von ?A? ausdrücklich komplett aus. Damit berührt der Film immer wieder auf erstaunlich unaufdringliche Art Themen rund um Homosexualität, Geschlechtslosigkeit oder Transgender und zeigt in seiner leisen, unaufgeregten Art ganz allgemein, dass alle Menschen verschieden sind und das auch sein dürfen.
In den Stilmitteln bleibt der Film mit seiner Continuity-Auflösung gänzlich konventionell, ist aber handwerklich sauber und der Erzählung angemessen umgesetzt. Rihannon wurde als eigenständige und facettenreiche Mädchenfigur angelegt und trägt den Film mühelos. Neben den vielen qua Plot zwangsweise nur angedeuteten Stereotypen, mit denen ?A?s »Wirtsfiguren« gezeichnet werden, ragt außerdem besonders Rihannons Vater heraus. Nach einem psychischen Zusammenbruch malt er reihenweise Gesichter, hinter denen er sich ähnlich versteckt wie ?A? hinter seinen ?Wirten?. Dass einzig ausgerechnet ?A? mit seinen ausnahmslos positiven Charakterzügen etwas eindimensional bleibt, hat die Jury von ihrer ausdrücklichen Filmempfehlung nicht abhalten können.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.