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Kritik: Es ist nie zu spät (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nach seinem Debüt "Camino de Santiago" (2015), das er gemeinsam mit Koregisseur Jonas Frei realisierte, legt Manuel Schweizer einen Dokumentarfilm nach, der sich erneut mit einer Sinnsuche beschäftigt. Statt um spirituelle Erfüllung geht es um ein erfülltes Leben im Alter, zu dem für die Porträtierten körperliche Frische zählt, aus der ihre geistige Frische resultiert. "Es ist nie zu spät" macht vieles besser als der amateurhaft zusammengeschusterte und recht oberflächliche Vorgänger, aber längst nicht alles richtig.

War "Camino de Santiago" eine beliebig wirkende Aneinanderreihung von Statements, die die Regisseure entlang des Jakobswegs zufällig eingesammelt hatten, konzentriert sich Manuel Schweizer nun auf einige wenige, ganz bewusst ausgewählte Protagonisten. Deren Aussagen erlangen schon dadurch mehr Tiefe, dass der Film mehrfach zu seinen Befragten zurückkehrt. So banal der Grundtenor, der sich bereits im Titel findet, auch sein mag, so faszinierend sind die Porträtierten und deren sportliche Leistungen. Ihr beherztes Auftreten macht Mut für das eigene Alter und deutet einen gesellschaftlichen Wandel an. Ein sparsam gesetzter Kommentar aus dem Off verbindet die Rüstigen miteinander.

Doch auch dieses Konzept hat seine Schwächen. So sind die Erzählanteile merklich ungleich verteilt. Die 86-jährige Orientierungsläuferin Verena kommt viel seltener zu Wort als ihre männlichen Kollegen, die 102-jährige Pianistin Maria taucht gar erst nach über einer Stunde Laufzeit auf. Hier lässt Schweizer die letzte Konsequenz vermissen, die für ihn uninteressanteren Köpfe ganz aus seinem Film zu streichen respektive ihnen mehr Zeit einzuräumen. Denn die Aussagen der beiden Damen sind ebenso klug wie die der Herren. Lediglich deren sportliche wie geistige Betätigungen sehen auf der großen Leinwand nicht so spektakulär aus.

Schwerer als diese kleinen strukturellen Mängel wiegen jedoch die technischen. Zwar zeigt sich "Es ist nie zu spät" gegenüber "Camino de Santiago" stark verbessert, schränkt vor allem die dilettantischen Drohnenaufnahmen massiv ein. Viele dürftig belichtete Bilder, ein wiederholt mangelhafter, weil kaum verständlicher Ton, die mittelmäßige Musik und teils unfreiwillig komisch wirkende Inserts verleihen auch "Es ist nie zu spät" über weite Strecken etwas Amateurhaftes.

Fazit: Manuel Schweizers "Es ist nie zu spät" bietet faszinierende Protagonisten und eine hoffnungsvolle Botschaft fürs eigene Alter, kann seine erzählerischen und technischen Mängel aber nicht kaschieren. Ein Dokumentarfilm für alle Junggebliebenen und die, die es werden wollen.




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