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Eldorado
Eldorado
© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Eldorado (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der schweizerische Regisseur Markus Imhoof ("More than Honey") hat einen Dokumentarfilm über das zweifelhafte Abenteuer gedreht, das viele Flüchtlinge in Europa erwartet. Auf dem Rettungsschiff der Operation Mare Nostrum heißt ein Helfer die erschöpften Menschen willkommen und verspricht, dass nun jeder Tag ein wenig besser werde. Imhoof prüft nach, ob das stimmt. In Italien trifft er illegale Feldarbeiter, die ausgebeutet werden, in der Schweiz Menschen, die nicht bleiben dürfen. Er verweist auf den Zusammenhang zwischen Fluchtursachen und Handelsbedingungen, mit denen die Europäische Union das wirtschaftliche Wachstum in Afrika erschwert.

Dieser Ansatz, den Weg von Flüchtlingen in Europa über mehrere Stationen exemplarisch zu verfolgen, unterscheidet Imhoofs Film nach anfänglicher Ähnlichkeit von Gianfranco Rosis "Seefeuer". Die italienischen Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer sind auch hier beeindruckend. Aber die jungen Männer und Frauen aus Afrika wissen noch nicht, dass ihre Odyssee jetzt keineswegs zu Ende ist. Die meisten, heißt es einmal, wollen nach Nordeuropa, in die Schweiz oder nach Deutschland, aber der Weg dorthin ist ihnen offiziell versperrt. Denn sie müssen ihre Fingerabdrücke in Italien abgeben und dort ihren Asylantrag stellen. Nach der Ablehnung bleibt dann nur noch der Weg in die Illegalität, als Tomatenpflücker. Die billig nach Afrika verkauften Tomatendosen machen den dortigen Produkten Konkurrenz. Ein- oder zweimal stellt Imhoof solche entlarvenden Zusammenhänge her. Sie zeigen die Verantwortung Europas gegenüber Afrika und dass die Politik Korrekturen vornehmen könnte.

Die globale, luzide Perspektive des Filmemachers zu schätzen, heißt nicht, mit ihm immer einer Meinung sein zu müssen. Er appelliert sehr klar an eine stärkere Willkommenskultur, auch mit Hilfe der persönlichen Erinnerungen an Giovanna, dem Mädchen aus Mailand, das 1945 von seiner Familie für ein paar Monate aufgenommen wurde. Der fiktive Dialog mit ihr wirkt sich auch auf die Rezeption des aktuellen Teil des Dokumentarfilms aus. Denn er schafft eine emotionale, zwischenmenschliche Nähe, die der Gefahr entgegenwirkt, über Flüchtlinge hauptsächlich als einem Problem zu sprechen, das verwaltet werden muss.

Fazit: Der schweizerische Regisseur Markus Imhoof geht in seinem engagierten Dokumentarfilm der Frage nach, was die aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlinge in Europa erwartet. Dass sie nicht willkommen sind, merken viele von ihnen, wenn sie in einem italienischen Aufnahmelager stranden und ihnen die Einreise in die Schweiz oder nach Deutschland verwehrt bleibt. Die Kontrastierung der aktuellen Eindrücke mit Erinnerungen an ein Flüchtlingskind in seinem Elternhaus am Ende des Krieges verstärken den subjektiven Charakter des Films, der an die Bereitschaft der Europäer zu teilen appelliert. Wichtig erscheint der kritische Hinweis, dass die Armut in Afrika auch mit der Handelspolitik der Europäischen Union zusammenhängt.




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