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Ghostland
Ghostland
© Capelight Pictures

Kritik: Ghostland (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Zehn Jahre ist es her, dass der Franzose Pascal Laugier der Terrorfilmwelle mit "Martyrs" (2008) die blutige Krone aufsetzte und damit in Fankreisen Kultstatus erlangte. 2012 folgte sein englischsprachiges Debüt "The Tall Man". Die Mischung aus Horror und Mysterythriller mit Jessica Biel in der Hauptrolle kam bei Publikum und Presse nur durchwachsen an. Mit "Ghostland" ist Laugier nun am vorläufigen Karrieretiefpunkt angekommen. Dabei beginnt sein Film, zu dem er ein weiteres Mal selbst das Drehbuch schrieb, durchaus stimmungsvoll.

Wenn Pauline (Mylène Farmer) mit ihren Töchtern Vera (Taylor Hickson) und Beth (Emilia Jones) durch eine neblige Herbstlandschaft zum verlassenen Haus ihrer verstorbenen Tante fährt, sind alle Zutaten für einen gelungenen Horrorfilm vorhanden. Beth liest eine ihrer selbst geschriebenen Gruselgeschichten vor, ein kleiner Junge kreuzt seltsam die Straße, ein Süßigkeiten-Truck fährt zu dicht auf, laut Zeitungsschlagzeile geht ein Serienmörder um, und das geerbte Haus gleicht einem grotesken Kuriositätenkabinett. Trotz des überschaubaren Budgets sieht das bei Laugier nach großem Kino aus. Doch dann wirft sein Drehbuch nach einer knappen Viertelstunde alles über den Haufen.

Statt weiter Atmosphäre aufzubauen und die Beziehung zwischen den drei Frauen zu vertiefen, bricht das Böse mit einer solchen Wucht herein, die eines Finales würdig wäre. Danach spult "Ghostland" unvermittelt in die Zukunft. Mit dem erzählerischen Bruch gehen auch ein visueller und schauspielerischer einher, von denen sich der Film nicht mehr erholt. Die Spannung fällt schlagartig ab, die wunderbar ausgeleuchteten, plastischen Aufnahmen weichen einer flachen Digitalästhetik. Crystal Reed und Anastasia Phillips, die die Schwestern im Erwachsenenalter verkörpern, können mit ihren jugendlichen Pendants nicht mithalten. Schwerer wiegt jedoch, dass Pascal Laugier fortan keinerlei Interesse mehr an seinen Figuren zeigt.

Beth und Vera entwickeln sich nicht weiter. Auch die Killer erhalten keinerlei Hintergrundgeschichte oder Motiv, dienen lediglich als Katalysator, um die träge, vorhersehbare Handlung voranzutreiben. Dass sich Laugier bei den Bösewichten selbst 2018 noch der ausgelutschten Klischees eines übergewichtigen geistig Zurückgebliebenen und einer Transsexuellen bedient, ist eines der vielen Ärgernisse dieses Films.

Mit erzählerischen Taschenspielertricks versucht Laugier, diese Mängel zu kaschieren. Doch auch die Wendungen und doppelten Böden sind nicht neu. Letztlich können sie nicht verbergen, dass Laugier ein weiteres Mal der Lust frönt, Mädchen- und Frauenkörpern gewaltsam zuzusetzen. Fans von "Martyrs" dürfte es dennoch zu mild zugehen. Dass Laugier dabei gleich mehrfach auf H.P. Lovecraft, den ungekrönten König der Horrorliteratur, verweist, wirkt angesichts seiner dürftigen eigenen Vision wie blanker Hohn. Außer dem Wahnsinn seiner Hauptfiguren hat "Ghostland" nichts mit Lovecraft gemein.

Fazit: "Ghostland" beginnt aussichtsreich, baut nach einer Viertelstunde jedoch radikal ab. Flache Charaktere, kaum Spannung und altbekannte Wendungen verhageln die anfänglich gute Atmosphäre. Fans von Pascal Laugiers "Martyrs" werden ebenso wenig Spaß an diesem Film haben wie Liebhaber H.P. Lovecrafts, auf den sich "Ghostland" mehrfach bezieht, dessen Klasse er aber nicht annähernd erreicht.




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