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Zeit für Utopien
Zeit für Utopien
© Langbein & Partner

Kritik: Zeit für Utopien (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Kurt Langbeins "Zeit für Utopien" trägt ein Versprechen in seinem Titel. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen beschränkt sich der österreichische Filmemacher und Wissenschaftsjournalist nicht auf die Kritik der gegenwärtigen Verhältnisse. Langbein zeigt auch eine Alternative auf. Seine Zukunftsvision ist eine nachhaltige Gesellschaft mit kurzen Wegen und viel Teilhabe. Reines Profitdenken soll der Vernunft, Ellbogenmentalität der Solidarität weichen.

In dieser idealen Welt werden Produkte nach Möglichkeit vor Ort produziert und verkauft und nicht um die ganze Welt geschippert. Ihre Bewohner leben energiesparend und verzichten auf umweltverschmutzende Verkehrsmittel wie Autos und Flugzeuge. Damit sich die lokalen Betriebe am Weltmarkt behaupten können, organisieren sie sich in Genossenschaften und Kooperationen. Ein altes Modell für eine neue Welt gemäß dem Motto "global denken, lokal handeln".

Damit surft "Zeit für Utopien" auf einer Öko-Welle, die in den vergangenen Jahren eher ansteigt als abebbt. Wie viele andere Vertreter sucht auch Langbein nicht nach Gegenstimmen, sondern wirbt für seine Sache, spielt sich dabei aber erfreulicherweise nicht zum Moralapostel auf. Die im Film präsentierten Aussteiger, Um- und Vordenker dienen dem Dokumentarfilm als erzählerischer roter Faden, mal direkt im Bild, mal als Voice-over-Kommentar. Ergänzend springen ihnen zwei Ökonomen und ein Neurowissenschaftler zur Seite, die die Notwendigkeit eines neuen Wirtschaftssystems und die positiven Auswirkungen gemeinschaftlichen Arbeitens betonen.

Die vorgestellten Projekte sind durchaus interessant, werfen aber unweigerlich Fragen auf, denen Langbein nicht nachgeht. Neben zwar verbesserten, aber weiterhin fragwürdigen Arbeitsbedingungen in Afrika und China, die selbst Protagonistin Laura Gerritsen mehr als einmal, den Regisseur hingegen nicht irritieren, ist das vor allem die Frage des Geldes. Wie viel die Produkte oder Mitgliedschaften in den Kooperativen kosten, wird nicht beantwortet. Es bleibt zu befürchten, dass Langbeins Utopie ein Modell nur für jene Gesellschaftsschichten ist, die sich diese rosige Zukunft auch leisten können.

Fazit: Mit seiner Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem und all seinen negativen Begleiterscheinungen liegt Kurt Langbein voll im Trend. Sein Dokumentarfilm "Zeit für Utopien" stellt durchaus interessante Gegenentwürfe vor, bleibt dabei aber vage und deutlich zu unkritisch. Vor allem ganz pragmatische Fragestellungen, etwa ob sich Otto Normalverbraucher die vorgestellten Projekte und Produkte leisten kann, beantwortet Langbein nicht.




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