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FBW-Bewertung: Der Vorname (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: DER VORNAME von Sönke Wortmann ist das Remake der gleichnamigen französischen Komödie von Alexandre De La Patellière und Matthieu Delaporte mit dem Originaltitel ?Le Prénom?. In der Tradition von Roman Polanski und seiner Yasmina Reza-Adaption GOTT DES GEMETZELS verfilmte der Regisseur eine bürgerliche Tragikomödie, die aufgrund latenter Konflikte und plakativer Meinungsverschiedenheit eskaliert.
Der Germanistikprofessor Stephan (Christoph Maria Herbst) und seine Frau Elisabeth (Caroline Peters), eine Deutschlehrerin, veranstalten ein Abendessen in ihrem Haus in Bonn. Anwesend sind neben dem Familienfreund und Musikvirtuosen René (Justus von Dohnányi) noch Thomas (Florian David Fitz) und dessen schwangere Freundin Anna (Janina Uhse). Der Vater des ungeborenen Jungen verursacht mit seinem Namensvorschlag, dass der als gemütliches Beisammensein geplante Abend plötzlich aus dem Ruder läuft. In der Folge sind die fünf Personen in einen absurden Streit verwickelt, werfen sich Beleidigungen an den Kopf und lassen die Diskussion immer mehr außer Kontrolle geraten, so dass es bald um die schlimmsten Jugendsünden und größten Geheimnisse der Beteiligten geht ? woraus weitere Probleme entstehen.
Das Kammerspiel wird weitgehend in Echtzeit erzählt und baut auf eine bewährte Dramaturgie der Eskalation. Irrtümer ermöglichen eine doppelte Lesart, die mehrfach Aufruhr auslöst. Eine filmische Aufwertung der Theatervorlage wird durch Rückblicke und Imaginationen der Protagonisten ermöglicht.
Schauspielerisch ist DER VORNAME eindrucksvoll: Christoph Maria Herbst bietet eine intensive Leistung mit subtilen Wandlungen, die in seiner Mimik deutlich sichtbar werden? die filmischen Mittel sind darauf ausgerichtet, die Ensembleleistung glaubhaft zu vermitteln, etwa indem die Tiefenschärfe geschickt genutzt wird, um Schauspieler ins Verhältnis zu setzen. Politische Zwischentöne werden dabei fast beiläufig eingeflochten und unterstreichen den wenig versöhnlichen Charakter dieser Inszenierung.
Lediglich die Voice Over-Stimme zu Beginn und Ende des Films wurde von der Jury als ein wenig zu plakativ empfunden. Insgesamt aber kann der Film als eindrucksvolle kinotaugliche Variante eines Kammerspiels gelten, das seine theatrale Herkunft nicht verleugnet, aber auch nicht exponieren muss.




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