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Photograph
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Kritik: Photograph (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Photograph" ist das neue Werk des indischen Filmemachers Ritesh Batra, der nach seinem viel beachteten Langfilmdebüt "Lunchbox" (2013) zwei Projekte außerhalb seines Geburtslandes realisierte ("Vom Ende einer Geschichte" mit Jim Broadbent und Charlotte Rampling sowie "Unsere Seelen bei Nacht" mit Robert Redford und Jane Fonda). Nun kehrt Batra an den Schauplatz Mumbai zurück, um dort abermals als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent eine romantisch-komödiantische Boy-meets-girl-Story zu schildern. Das Ergebnis ist voller Witz und Zärtlichkeit – und deutlich stiller als die meisten US-amerikanischen Pendants sowie etliche Bollywood-Schöpfungen.

Mit seinen beiden Kameramännern Ben Kutchins und Tim Gillis findet Batra eindrückliche Bilder, um die Atmosphäre in der dicht besiedelten Stadt an der indischen Westküste einzufangen. Zugleich wird Humor erzeugt, indem etwa plötzlich jede Person im großen Umfeld des Protagonisten Rafi darüber informiert zu sein scheint, dass Rafis Großmutter ihre Medikamente abgesetzt hat, um ihren Enkel dazu zu animieren, endlich eine Ehefrau zu suchen. Bei aller Komik ist "Photograph" jedoch auch ein Film, der sich mit sozialer Ungleichheit und mit der schwierigen Balance zwischen Tradition und Moderne befasst. Die Wirtschaftsstudentin Miloni gehört der middle class an, Rafi der working class, zu welcher Miloni bisher nur durch die Bedienstete Rampyari (Geetanjali Kulkarni) einen Bezug hatte. Sowohl Rafi als auch Miloni werden von der Familie bedrängt; Milonis Eltern (verkörpert von Sachin Khedekar und Lubna Salim) wollen, dass ihre Tochter möglichst bald einen Gatten findet, weshalb sie immer wieder Begegnungen mit angemessenen Kandidaten in die Wege leiten.

Die zaghafte Liebesanbahnung zwischen Rafi und Miloni ist von Schüchternheit und Sehnsucht geprägt. Nawazuddin Siddiqui ("Gangs of Wasseypur") spielt die männliche Hauptrolle mit bemerkenswerter Zurückhaltung; ebenso verleiht seine Leinwandpartnerin Sanya Malhotra ("Dangal – Die Hoffnung auf den großen Sieg") ihrem Part etwas sehr Nachdenkliches, Introvertiertes. Einen amüsanten Kontrast hierzu bildet Farrukh Jaffar ("Swades – Heimat", "Die Zeit der Frauen") als Rafis Großmutter, die mit ihrer Beharrlichkeit und Direktheit für zahlreiche Lacher sorgt. Die Szenen zu dritt gehören zu den besten Momenten des Films.

Fazit: Eine angenehm ruhige und feinsinnig erzählte Liebesgeschichte aus der Metropole Mumbai mit guter Kameraarbeit und stimmiger Besetzung.




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