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November
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© Drop-Out Cinema eG

Kritik: November (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das neue Werk "November" des 1969 im estnischen Rakvere geborenen Rainer Sarnet ist eine Adaption des Romans "Rehepapp ehk November" (2000) des ebenfalls aus Estland stammenden Schriftstellers Andrus Kivirähk. Die Geschichte verbindet ein tragisches Liebesdreieck mit Motiven der Schwarzen Romantik sowie mit Folklore-Elementen und mal surrealer, mal derber Komik. Das Ergebnis ist ein wahrlich einzigartiges Filmerlebnis in kontrastreichem Schwarz-Weiß und mit einer Fülle von Momenten, die einem immer wieder den Atem rauben.

Alles beginnt mit einer Kreatur, die aus drei Sensen und einem Kuhschädel besteht. Es handelt sich dabei um einen sogenannten "Kratt" – ein Objekt, dem der Teufel im Tausch gegen eine menschliche Seele Leben einhaucht, damit es den verarmten Leuten im Dorf zu Diensten ist. Der "Kratt" entführt hier ein Kalb aus einem Stall, erhebt sich mit dem Tier in die Lüfte und bringt es zu seinem Herrn, dem Bauern Rein. Zahlreiche weitere, nicht weniger verblüffende Szenen folgen im Laufe der Handlung – sei es eine Wiederkehr der Verstorbenen und deren plötzliche Verwandlung in Hühner, ein Besuch der Pest in Tiergestalt oder ein trickreicher Versuch der Dorfbevölkerung, dem Tod zu entgehen. Gewiss ist das alles überaus grotesk – jedoch nicht selten auch von einer bannenden, düster funkelnden Poesie beseelt.

Hierzu trägt nicht zuletzt das einnehmende Spiel von Rea Lest in der Rolle von Reins Tochter Liina bei. Liina ist – möglicherweise – eine Werwölfin und verzehrt sich nach dem Bauernsohn Hans, der hingegen eine somnambule Adlige begehrt. Die Sehnsucht und die verzweifelten Mittel, zu denen die Liebenden greifen, machen "November" auch zu einer ganz großen Tragödie, in der ein mephistophelischer Pakt sowie der Einsatz von Hexerei ins Verderben führen. Unfassbar schöne Bilder der winterlichen Landschaft bei Tag und bei Nacht, tief empfundener Schmerz und bitterer Schwermut treffen dabei auf absurde Passagen und betont albernen, bösen Humor – eine Mischung, die uns irritiert, aber ohne Zweifel fasziniert zurücklässt.

Fazit: Eine in hypnotischen Schwarz-Weiß-Bildern eingefangene Kino-Extravaganz zwischen Volksmärchen, Groteske, Liebes- und Horrorfilm. Außergewöhnlich!




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