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Therapie für Gangster
Therapie für Gangster
© mindjazz pictures

Kritik: Therapie für Gangster (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Für seinen neuen Dokumentarfilm hat sich der Regisseur Sobo Swobodnik ("Unplugged: Leben Guaia Guaia") vier Wochen lang in einer Einrichtung der forensischen Psychiatrie in Duisburg einquartiert. Er wollte die Insassen einer geschlossenen Station rund um die Uhr mit der Kamera begleiten können. So ist ein Dokumentarfilm entstanden, der einiges von der Atmosphäre im Maßregelvollzug einfängt – wo die Bewohner einerseits als verurteilte Straftäter Haftstrafen absitzen, andererseits aber therapeutische Zuwendung erfahren.

Den Männern, die sich filmen lassen, ob im Einzelgespräch oder während verschiedener Programme, ist oft anzumerken, dass sie es nicht gewöhnt sind, über ihre Gefühle zu sprechen. Dabei reagieren einige jedoch sehr positiv auf Kunst- und Ergotherapie. Aber selbst der 39-jährige Ibo, der zurück ins Gefängnis geht, weil er sich nach Meinung der Therapeuten zu wenig auf die Angebote einlässt, zieht eine positive Bilanz seines Aufenthalts. Er habe hier viel über sich selbst erfahren. Dass sich die Männer selbst besser wahrnehmen, scheint das Ziel der Gespräche zu sein, die die Ergo-, Musik- und Kunsttherapeutinnen wie beiläufig anstoßen. Der 25-jährige Ali ist ein leidenschaftlicher Rapper, der in der Musik und den Liedtexten ein Ventil für seine innere Not gefunden hat. Wie alle anderen auch wünscht er sich, ein Leben mit geregelter Arbeit und Familie führen zu können.

Swobodnik fängt auch zahlreiche Momente des Leerlaufs und des Zweifelns ein. Ein Mann, der stark heroinabhängig war, glaubt selbst nicht daran, dass er die Sucht dauerhaft überwinden kann. Wiederholt lenken die kurzen Therapieszenen den Blick darauf, wie schwierig es für einige der Männer ist, die eigenen Verhaltensmuster infrage zu stellen. Die neuen Angebote wirken wohl auf manche zu unsicher, zu weit weg von den eigenen Prägungen, oder zu wenig intensiv. Es gibt auch Insassen, die hier ihren Schulabschluss nachholen wollen. Aber Aufnahmen aus dem Geschichtsunterricht, in dem es um die Zeit des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik geht, lassen bezweifeln, ob die jungen Männer mit Migrationshintergrund den erstaunlich anspruchsvollen Stoff einordnen können. All diese Beobachtungen bleiben eher flüchtig und bruchstückhaft, respektieren das Bedürfnis der Insassen nach Rückzugsräumen und Selbstbestimmung.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Sobo Swobodnik beobachtet den Alltag von Insassen in einer Einrichtung der forensischen Psychiatrie. Die verurteilten Straftäter lassen sich hier auf Therapiemaßnahmen ein, um ihre Drogenabhängigkeit zu überwinden und Rückfällen vorzubeugen. Vielen wird bewusst, wie schwer für sie der Weg in ein bürgerliches Leben ist, manche verweigern sich neuen Erfahrungen, die unsicher machen. Die Beobachtungen spiegeln den Gemütszustand der Insassen zwischen Hoffnung und Zweifel, Zuversicht und Angst und bleiben flüchtig, um keinem der Männer mehr abzuverlangen, als er zu zeigen bereit ist.








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