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Citizen Animal
Citizen Animal
© JIP Film und Verleih

Kritik: Citizen Animal (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Eigentlich wollte Regisseur Oliver Kyr nur einen Kurzfilm über das spanische Dorf Trigueros del Valle drehen, das seinen Hunden und Katzen die Bürgerrechte verliehen hat. Letztlich ist aus dem kleinen Familientrip mit Frau Tatjana, Tochter Bonnie und zwei Chihuahuas eine Reise von 10.000 Kilometern geworden. An deren Ende hatte Kyr, ganz ohne Fördermittel oder Beteiligung eines Fernsehsenders, einen Dokumentarfilm im Gepäck, der der Frage nachgeht, wie sich das Wohl der Tiere besser schützen, wie sich das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier besser organisieren lässt.

Während seiner Reise, die den Filmemacher von Gibraltar über Spanien, die Schweiz und Österreich bis zurück in seine deutsche Heimat führt und sich einen Abstecher in die USA erlaubt, bittet Kyr unzählige Experten vor seine Kamera. Sein Anliegen ist löblich, sein Enthusiasmus beeindruckend, manche Einsicht in die Sachlage, etwa in welchen Ländern noch keine Tierschutzgesetze herrschen, erhellend. Engagement und Begeisterung machen aber noch lange keinen guten Film. "Citizen Animal" krankt sowohl an seiner Form als auch am Inhalt.

Kyrs Entscheidung, den Tieren durch eine Sprecherin eine Stimme zu gegen, die den gesamten Film mit dem Regisseur in einen im Off geführten Dialog tritt, wirkt nicht nur prätentiös, sondern ist geradezu unfreiwillig komisch. Die von Kyr selbst gefilmten und geschnittenen Aufnahmen verströmen immer wieder den Charme mittelmäßiger Homevideos, deren Schwächen Kniffe aus dem Video-Effekte-Baukasten überdecken.

Inhaltlich gewinnt "Citizen Animal" dem Thema Tierschutz zu wenig neue Facetten ab, wirkt beliebig und schnell repetitiv. Neben unzählige altbekannte Aussagen treten zu viele nichtssagende, die besser dem Schnitt zum Opfer gefallen wären. Das größte Manko liegt jedoch darin, dass Oliver Kyr in den entscheidenden Momenten nicht nachhakt und die dargelegten Theorien nicht konsequent genug zu Ende denkt.

Die wiederholt und von unterschiedlicher Stelle geforderten Bürgerrechte für Tiere, die ja bereits im Filmtitel anklingen, bleiben bis zuletzt viel zu abstrakt. Welche Rechte (und Pflichten?) haben etwa die Hunde und Katzen in Trigueros del Valle? Dürfen sie wählen gehen? Müssen sie Steuern zahlen? Und wenn ein Tierleben künftig so viel wie ein Menschenleben zählt, ist Jagd dann Mord? So absurd das klingt, die Kritik daran, dass Kyr diesen Fragen nicht nachgeht, ist ernst gemeint. Schließlich wirft sein Film diese Fragen mehrfach auf. Stattdessen bietet auch "Citizen Animal" die immerselben Binsenweisheiten aus veganer Ernährung und dem Ratschlag, die Herzen zu öffnen. Dafür hätte es keiner 100 Minuten bedurft.

Fazit: "Citizen Animal" ist ein formal schwacher, bedeutungsschwangerer und unfreiwillig komischer Dokumentarfilm mit einer geradezu lächerlich-naiven Botschaft, der dem Thema Tierschutz kaum neue Facetten abgewinnt beziehungsweise dort, wo er dies tut, nicht konsequent genug nachhakt.




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