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Kritik: Itzhak (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Man muss schon ganz genau hinhören, um Itzhak Perlmans Herkunft zu erraten. Ein Gespräch mit seiner Frau Toby in der Küche ihres New Yorker Hauses bietet die Gelegenheit dazu. Dann klingt das Wort "track" aus Perlmans Mund wie "truck", und Toby weist die Zuschauer darauf hin, dass ihr Mann ja kein Muttersprachler sei. Dabei könnte er kaum amerikanischer sein mit seinem Selbstbewusstsein, seiner Leidenschaft für Baseball, gutes Essen und einen gepflegten Witz. Über allem steht freilich sein unerschütterlicher Glaube an die Kraft der Musik, die ihm Flügel verleiht.

Als der jugendliche Perlman 1958 mit seiner Mutter aus Tel Aviv nach New York kam, um an der Juilliard School sein Geigenspiel zu perfektionieren, traute dem an Kinderlähmung Erkrankten kaum einer den Durchbruch zu. Es waren andere Zeiten, in denen Gehandicapte schief angesehen und bemitleidet wurden. Auch davon und von Perlmans Engagement für Kinder mit Behinderung erzählt Alison Chernicks Film. Heute stapeln sich in Perlmans Arbeitszimmer die Auszeichnungen. Der Film selbst ist mit dabei, wenn er von US-Präsident Barack Obama die "Presidential Medal of Freedom" und von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den "Genesis-Preis" erhält.

Archivaufnahmen zeigen den jungen Perlman an Krücken. Heute braust er mit einem Elektromobil durch die Straßen, durch sein Haus und auf die Bühnen dieser Welt. Alison Chernick hat ihn durch seinen Alltag begleitet. Statt auf Interviewsituationen mit Bekannten und Experten setzt sie voll und ganz auf das Charisma ihres Protagonisten. Ihr geht es weniger um den Geigenvirtuosen und Dirigenten als um den Familienmenschen und Pädagogen. Ihre Rechnung geht auf, weil Perlman reflektiert, selbstironisch und stets ausgesprochen unterhaltsam ist. Ganz nebenbei erzählt Chernick die berührende Liebesgeschichte zweierSeelenverwandter. Seit 1967 ist Perlman mit Toby Lynn verheiratet, seiner ersten und schärfsten Kritikerin, die ihrem Gatten in puncto Entschlossenheit in nichts nachsteht.

Für Perlman ist die Violine ein "Nachbau der Seele", für andere klingt sein Umgang mit dem Instrument wie ein Gebet. Das spürt auch das Kinopublikum, egal ob der Geiger Bach, gemeinsam mit Billy Joel oder das Stück aus "Schindlers Liste" spielt, das ihn weltberühmt machte. Perlmans Seele ist zutiefst menschlich.

Fazit: Alison Chernicks Dokumentarfilm ist ein ausgesprochen unterhaltsames filmisches Porträt eines charismatischen Musikers, der sich aller Widrigkeiten zum Trotz seinen Humor und seine Menschlichkeit bewahrt hat. Eine Liebeserklärung an die Musik und das Leben.




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