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Pawo
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Kritik: Pawo (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Spielfilmdebüt des deutschen Regisseurs und Drehbuchautors Marvin Litwak basiert auf dem Leben des jungen Tibeters Jamphel Yeshi. Fotos seiner öffentlichen Selbstverbrennung in Delhi aus Protest gegen die seit 1950 andauernde chinesische Besetzung Tibets gingen 2012 um die Welt. Litwak wurde durch einen Artikel im "Spiegel" auf die Geschichte aufmerksam. Zwei Jahre später begann er in Indien mit den Dreharbeiten zu seinem Spielfilm, in dem ausschließlich Laiendarsteller vorkommen. Das Ergebnis ist ein ehrgeiziges Drama, das sich engagiert in die Lage eines mit dem Verlust von Heimat und Familie konfrontierten Exiltibeters hineinversetzt.

"Pawo" bedeutet auf Tibetisch Held. Zunächst deutet noch nichts darauf hin, dass der sanfte Dorjee Anspruch auf diese Bezeichnung erheben wird. Zahlreiche Rückblenden, die den Erinnerungen des Ich-Erzählers Dorjee folgen, fügen sich im Gegenteil zum Bild eines schüchternen Jungen, der den langen Schulweg stets mit seiner kleinen Schwester und dem vorlauten Cousin zurücklegt. In der chinesischen Haft, als er gefoltert wird, erinnert sich Dorjee an die Worte seines Vaters über die Befreiung des Bewusstseins am Ende des Lebens. Auf diese Weise befasst sich der Film nicht nur mit dem tibetischen Glauben, sondern schildert auch, wie sein Protagonist in der eigenen Vergangenheit Halt sucht. Diese Einfühlsamkeit verleiht dem Drama in Kombination mit dem episch-ausführlichen Erzählstil eine ansprechende Tiefe.

Jenseits der Rückblenden ist die Handlung in klare Etappen gegliedert. Auf die Zeit in Tibet folgt die Flucht über die Berge nach Lhasa und dann weiter nach Dharamsala und Delhi, wo es jeweils große tibetische Exilgemeinden gibt. Die imposanten Naturaufnahmen im Himalaya und die wehmütigen folkloristischen Lieder sorgen für beeindruckende Authentizität. Der Anspruch, tibetischen Freiheitskämpfern wie Jamphel Yeshi in Gestalt von Dorjee ein würdiges Denkmal zu setzen und zu zeigen, warum sie die Heimat nicht verloren geben wollen, steht in einem reizvollen Kontrast zur gelegentlich amateurhaften Holprigkeit der Inszenierung. Im späteren Teil, der sich in Delhi abspielt, wird es sogar langatmig, während sich Litwak allzu sehr bemüht, das innere Drama des verschlossenen Dorjee sichtbar werden zu lassen.

Fazit: Das Spielfilmdebüt des deutschen Regisseurs Marvin Litwak vertieft sich engagiert in das kurze Leben eines jungen tibetischen Flüchtlings. Damit erinnert das auf wahren Ereignissen basierende und an Originalschauplätzen in Indien gedrehte Drama an das Unrecht der seit 1950 andauernden chinesischen Besetzung Tibets und die Sehnsucht der im Exil lebenden Menschen nach der Heimat. Die Erinnerungen der auch als Ich-Erzähler fungierenden zentralen Figur ergänzen den Spannungsbogen der äußeren Handlung sinnvoll in Form emotional vertiefender Rückblenden. Obwohl der Film im späteren Teil zu langatmig wird, kann sein epischer Ehrgeiz über weite Strecken überzeugen und fesseln.




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