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Mantra - Sounds into Silence
Mantra - Sounds into Silence
© Alpenrepublik GmbH Filmverleih

Kritik: Mantra - Sounds into Silence (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Dokumentarfilm von Georgia Wyss beschäftigt sich mit der positiven Wirkung des Mantra-Singens auf den Geist gestresster Zeitgenossen. Das eigene Gedankenkarussell kann nicht nur durch stille Meditation zur Ruhe gebracht werden, sondern auch durch meditative Musik und das formelhafte, gesungene Wiederholen einzelner Wortfolgen. Beim Kirtan, einer Form kollektiven Singens, bei dem das Publikum den Musikern auf der Bühne antwortet, kommt zum meditativen Effekt auch das wohltuende Gemeinschaftserlebnis hinzu. Der Film stellt verschiedene, hauptsächlich amerikanische Musiker der Kirtan- und New-Age-Szene dar, die mit Mantras arbeiten. Auch lässt er Praktizierende zu Wort kommen, die über positive Erfahrungen mit Mantra-Meditation berichten, und schaut sich auf einschlägigen Musikfestivals um.

Ein Neurowissenschaftler berichtet davon, wie sich die Gehirnaktivität und die Wahrnehmung von Mantra-Meditierenden ändert. Das repetitive Murmeln oder Singen entspannt und öffnet die Sinne. Praktizierende sprechen von einer Auflösung der individuellen Grenzen. Bald kristallisieren sich verschiedene Aspekte dieses Themenkomplexes heraus, die allerdings nicht voneinander getrennt betrachtet werden. Da gibt es das Bedürfnis nach Ruhe, aber auch nach Gemeinschaft und Sinnsuche. Eine der eindrucksvollsten Episoden des Films zeigt, wie Insassen der Haftanstalt San Quentin in San Francisco bei einem meditativen Konzert von Jai Uttal zunächst zögerlich und dann befreit zur Musik tanzen, wie auf einer gelungenen Party.

Gelöste und zum Teil glückliche Gesichter nimmt die Kamera auf vielen Konzerten und Kirtan-Treffen ins Visier, so auch in einer großen Halle in Moskau. Viele Menschen verbindet offenbar eine Sehnsucht nach Spiritualität, wobei unklar bleibt, ob sie die in der Regel indischen Worte, die sie da so beseelt singen, überhaupt verstehen. Eine solche Bereitschaft, sich dem Gruppenerlebnis hinzugeben, kann aus der Distanz des Kinozuschauers auch befremdlich wirken. Außerdem geht es in der Mantra-Musik oft weniger um das Erlebnis von Ruhe, als von Ekstase und Trance. Wenn einzelne Musiker Hip-Hop, Rock oder Soul in ihre Kirtan-Auftritte mischen, kann es sogar ausgesprochen laut werden. Da fällt dann die Abgrenzung schwer, wo es sich noch um Mantra-Meditation oder doch allgemein um Spaß am Singen und Tanzen handelt.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Georgia Wyss stellt das meditative und spirituelle Mantra-Singen vor, das den Geist zur Ruhe kommen lässt oder ekstatisch belebt. In der sozialen Form des Kirtan praktiziert, beschert es den einzelnen Teilnehmern ein verbindendes Gruppenerlebnis. Der Blick in glückliche, verklärte Gesichter dürfte jedoch nicht jeden vom Nutzen dieser im Bereich Yoga und New Age angesiedelten Praktiken überzeugen. Auch unterscheidet der Film zu wenig zwischen leisen und ausgesprochen lauten Musikformen, die nicht dieselbe Wirkung haben dürften.




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