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Halaleluja - Iren sind menschlich!
Halaleluja - Iren sind menschlich!
© Koch Media

Kritik: Halaleluja - Iren sind menschlich! (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Auch in der beschaulichen irischen Küstenstadt Sligo besteht die Bevölkerung nicht mehr nur aus Einheimischen, die seit Generationen mit dem Ort verwurzelt sind. Die muntere Culture-Clash-Komödie des irischen Regisseurs Conor McDermottroe malt das Bild einer modernen Zeit, in der sich traditionell orientierte Iren mit Menschen anderer Hautfarbe und Sitten und mit Anhängern eines individuellen Lebensstils auseinandersetzen müssen. Daraus könnte eine fröhliche und zukunftsweisende Gemeinschaft entstehen, wie der Film mit verspieltem Idealismus demonstriert.

Die Idee, in Sligo einen Betrieb mit Halal-Schlachtung zu eröffnen, ist von der Wirklichkeit selbst inspiriert. Solche Betriebe gibt es in Irland schon seit Jahrzehnten. Doch der neue Schlachthof wird im Film nicht nur Schauplatz eines multikulturellen Experiments, das die irischen Arbeiter mit islamischen Bräuchen konfrontiert, sondern vor allem eines Generationenkonflikts. Raghdans Vater Amir hat fixe Vorstellungen, nicht nur über das Heiraten, sondern auch über Karriere und den Erfolg im Leben. Der Sohn hingegen gehört einer neuen Generation an, der das Sich-Ausprobieren wichtig ist. Ein Schlachthof symbolisiert aber nicht die neue Leichtigkeit und bleibt daher auch nur eine Zwischenstufe auf dem Weg aus der wirtschaftlichen Talsohle.

Der zentrale Vater-Sohn-Konflikt ist in ein munteres Ensemblestück eingebettet, in dem Diversität mehr als nur eine Pflichtzutat am Rande darstellt. In Raghdans Umfeld gibt es Menschen verschiedener Hautfarbe und Nationalitäten, darunter einen schwulen Deutschen, der von David Kross gespielt wird. Diese bunte Vielfalt hat nicht nur den Zweck, auf unbekümmerte und zum Teil lustige Weise gelebte Freiheit vorzuspielen, sondern auch gegen klischeehafte Vorstellungen und Erwartungen in den Köpfen der Zuschauer zu opponieren.

Der filmischen Absicht, optimistischen Schwung mit Realitätsnähe zu verbinden, folgt auch die stilistische Gestaltung. Die Handkamera heftet sich oft nahe an die Charaktere, die Bildausschnitte sehen manchmal schief aus, ein-zwei Zeitraffer, die über den Himmel jagen, signalisieren zusätzlich jugendliche Ungeduld und Energie. Aber die Handlung wirkt wie der Flug eines Schmetterlings, der sich mal hier, mal da nippend auf einer Blüte niederlässt und dann weitertaumelt – harmlos, friedfertig, naiv.

Fazit: Die Komödie von Conor McDermottroe bürstet die Klischees vom Leben in der irischen Provinz kräftig gegen den Strich. In einer kleinen Küstenstadt tun sich Menschen verschiedener Herkunft und Auffassungen zusammen, um die lokale Wirtschaft wieder anzukurbeln. Im zentralen Vater-Sohn-Konflikt zweier britisch-indischer Muslime spiegelt sich ein Generationenwechsel, den der Regisseur zum Anlass nimmt, das Wunschbild einer fröhlichen Zukunft zu zeichnen, die kreativen und gemeinschaftsfähigen Individualisten gehört. Die frische Atmosphäre wird jedoch auf Dauer von der harmlosen Unbekümmertheit der Handlung relativiert.




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