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Der letzte Dalai Lama
Der letzte Dalai Lama
© mindjazz pictures

Kritik: Der letzte Dalai Lama? (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Aus Anlass des 2015 gefeierten 80. Geburtstags des Dalai Lama, des geistlichen Oberhaupts der Tibeter, hat der Dokumentarfilmer Mickey Lemle den im Exil lebenden prominenten Buddhisten erneut porträtiert. Schon 1992 befasste er sich mit dem 14. Dalai Lama in "Compassion in Exile". Der neue, bereits 2016 erschienene Film widmet sich nicht nur dem Lebenswerk des religiösen Oberhaupts. Wie es der Titel verrät, stellt er auch die bange Frage, wer die Glaubensrichtung nach seinem Tod noch repräsentieren kann. Der 14. Dalai Lama selbst hat 2014 erklärt, dass es keine Wiedergeburt seiner Heiligkeit geben werde. Weil China den Anspruch erhebt, über die Ernennung des Nachfolgers mitzubestimmen, würde die Besatzungsmacht einen solchen als politische Marionette missbrauchen.

Es kommen hochrangige tibetische Würdenträger und der Dalai Lama selbst zu Wort, was nicht überrascht, da Lemle auch Vorsitzender des Tibet Funds ist. Inhaltlich ähnelt der Film einem Album, das die unterschiedlichsten Themen vereint. Dabei scheint er sich vor allem gegen die Gefahr zu stemmen, dass die chinesische Okkupation Tibets diese Würdigung eines religiösen Lebens völlig überschattet. Denn der Dalai Lama ist natürlich längst zur Symbolfigur eines unterdrückten Volkes geworden. Einmal wird er gefragt, ob er die Chinesen hasse. Die Antwort beschert dem Film einen sehr bewegenden Moment.

Eher indirekt, nämlich indem er an den öffentlichen Auftritt des US-Präsidenten George W. Bush mit dem Dalai Lama 2007 im US-Kongress erinnert, verweist der Film auf die sonst übliche Zurückhaltung der internationalen Politik in der Tibet-Frage. Weil es sich kaum ein Land mit dem mächtigen China verderben will, erhält der Einsatz des Dalai Lama für die Befreiung seiner Heimat seit Jahrzehnten zu wenig Unterstützung.

Es verblüfft, wie bescheiden der Dalai Lama auftritt, wie offen er über eigene menschliche Schwächen spricht und die nie endende Übung der Meditation und Selbstbeherrschung. Der Dalai Lama preist auch im Westen häufig den Altruismus der buddhistischen Lehre an, in dem er das Rezept für ein gelingendes Leben sieht. Er plädiert dafür, schon Kindern zu vermitteln, wie negative Gefühle entstehen. Er hat auch keine Berührungsängste mit der modernen Wissenschaft, die die alten Weisheiten über die heilsame Wirkung von Achtsamkeit und sozialem Vertrauen bestätigt.

Fazit: Der seit fast 60 Jahren im indischen Exil lebende 14. Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt Tibets, wird womöglich nicht offiziell wiedergeboren werden. Das hängt mit der chinesischen Okkupation Tibets zusammen, die auch im Dokumentarfilm von Mickey Lemle über das Leben und Wirken des Dalai Lama unweigerlich zum zentralen Thema gerät. Wie wichtig dem Dalai Lama die altruistische Philosophie des tibetischen Buddhismus und seine Meditationspraxis sind, erläutert er zum Teil selbst. Die thematische Bandbreite und der geraffte Überblickscharakter dieses Porträts lassen es zuweilen etwas unstrukturiert erscheinen.




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