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Kritik: Wolf and Sheep (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Wolf and Sheep" feierte seine Premiere im Jahre 2016 in der Reihe Quinzaine des Réalisateurs bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes – die Regisseurin Shahrbanoo Sadat wurde daraufhin mit dem CICAE Art Cinema Award ausgezeichnet. Das Drehbuch zu ihrem Werk entwickelte Sadat gemeinsam mit Aarzoo Burhani, Katja Adomeit und Daniel Borgman: Es wurde zum einen von den persönlichen Tagebucheinträgen von Anwar Hashimi inspiriert, der zudem als zweiter Regieassistent fungierte; zum anderen basiert es auf eigenen Erfahrungen der Filmemacherin. 1990 in Teheran als Tochter von Geflüchteten aus Afghanistan geboren, zog Sadat im Alter von 11 Jahren mit ihrer Familie ins afghanische Hinterland, bis sie nach ihrer Volljährigkeit in die Hauptstadt Kabul ging.

Die Art und Weise, wie sich Sadat dem Leben der Kinder in einem abgeschiedenen Dorf in Afghanistan widmet, ist ganz und gar empathisch. Sadat zeigt den ländlichen Alltag in einem Staat, der von Bürgerkriegen und anderen Bedrohungen geprägt ist, und fängt in einem beinahe dokumentarischen Stil das Denken und Fühlen der (jungen) Menschen ein. So sehen wir etwa eine Mädchengruppe, die sich neben dem oft anstrengenden Hüten von Schafen und Ziegen die Zeit mit Rollenspielen vertreibt, in denen die erlernten sozialen Mechanismen nachgeahmt werden – zum Beispiel die Verhandlungen bei einer Eheschließung. Die Jungen trainieren derweil den Umgang mit der Steinschleuder – was nicht selten Verletzungen zur Folge hat. Sowohl die juvenile Ausgelassenheit und Alberei als auch das Rohe sind Teil dieser Welt: In Streitereien untereinander sowie durch die harten Bestrafungen durch die Erwachsenen sind die Kinder immer wieder Gewalt ausgesetzt. Hinzu kommt die Ausgrenzung Einzelner – die aber auch wieder zu Freundschaften führen kann, wie im Falle der gemiedenen Sediqa und dem Halbwaisen Qodrat, welcher nach dem Tod seines Vaters ebenso zum Außenseiter wird.

Ein wichtiger Teil von "Wolf and Sheep" sind die Geschichten, die im Dorf erzählt werden: einerseits mythische Überlieferungen, in denen es unter anderem um einen "Kaschmirwolf" geht; andererseits Gerede und Gerüchte über Mitglieder der Gemeinschaft. Das Mythische wird – etwa in Gestalt einer grün leuchtenden, nackten Fee – gekonnt mit der naturalistischen Darstellung verbunden. Sadat und die Kamerafrau Virginie Surdej finden starke Bilder, für die das Team aus Sicherheitsgründen auf ein bergiges Tal im afghanischen Nachbarland Tadschikistan als Drehort ausweichen musste.

Fazit: Ein äußerst authentisch und einfühlsam anmutender Film über die Lebenssituation von Kindern in einem afghanischen Dorf, zwischen unbeschwertem Spiel, rauer Wirklichkeit und mythischen Elementen.




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