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Liebe bringt alles ins Rollen
Liebe bringt alles ins Rollen
© Neue Visionen / NFP / GAUMONT - LA BO TIE FILMS - TF1 FILMS PRODUCTION - POUR TOI PUBLIC

Kritik: Liebe bringt alles ins Rollen (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der 1963 geborene Franck Dubosc hat viele Talente. Nach ersten Gehversuchen im Schauspielfach wechselte er erst als Reporter, später als Autor ins Fernsehen. Ende der 1990er reüssierte er als Stand-up-Komiker, was ihm weitere Engagements als Schauspieler verschaffte. Mit der Komödie "Camping" (2006) gab er sein Drehbuchdebüt bei einem Kinofilm. Nun führt Dubosc erstmals Regie und beweist auch hier Talent. Skript und Hauptrolle übernimmt er gleich mit.

Die Rolle des Aufschneiders hat sich Dubosc passgenau auf den Leib geschrieben. Mit einnehmendem Lächeln, stahlblauen Augen und coolen Sprüchen überzeugt der Hauptdarsteller nicht nur das Publikum, sondern seine eigene Figur. Denn Duboscs Geschäftsmann Jocelyn belügt nicht nur sein Umfeld, sondern sich selbst. Er hält sich für unwiderstehlich, verströmt dabei aber das etwas abgestandene "Flair eines alten Schönlings", wie es sein bester Freund Max (Gérard Darmon) formuliert.

Genau diese Fallhöhe macht sich das Drehbuch gekonnt zunutze. Es ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, aber auch die Unverfrorenheit dieses Möchtegernmachos, die zum Lachen reizt. Man lacht viel über ihn und sein überkommenes Weltbild voll viriler Kerle, makelloser Körper und immer neuer "Challenges", wie Jocelyn es nennt. Dennoch ist man ihm nicht böse. Denn Franck Duboscs hat seiner verabscheuenswürdigen Hauptfigur noch ganz andere Qualitäten mitgegeben, was wiederum am Ziel liegt, auf das seine romantische Komödie zusteuert.

"Liebe bringt alles ins Rollen" ist Verwechslungskomödie und Comedy of manners. In Person von Florence (Alexandra Lamy) trifft Jocelyn nicht nur auf einen ebenbürtigen Gegenpart, sondern auch auf einen, der dem Flegel endlich Manieren beibringt. Alexandra Lamys natürlicher Charme ist entwaffnend. Die Chemie im Zusammenspiel mit Franck Dubosc stimmt. Und auch der Rest des Ensembles, aus dem Elsa Zylbersteins herzerwärmende Performance einer unglücklich verliebten Sekretärin hervorragt, ist durchweg charmant.

Franck Duboscs Skript hat aber noch ganz andere Qualitäten. Wo andere Komödien nur schwer in Gang kommen, kommt Duboscs Drehbuch direkt auf den Punkt. Für eine Welt, in der Erfolg alles und Inklusion kaum etwas zählt, findet es pointierte Bilder, etwa wenn Jocelyns Rollstuhl nicht in den Kofferraum seiner Luxuskarosse passt oder er mit seinem Gefährt in seiner Designerwohnung an allen Ecken und Enden hängen bleibt. Und wenn die Handlung in allzu vertraute Fahrwasser abdriftet, deren Ausgang man zu erahnnen glaubt, reißt Dubosc das erzählerische Steuer durch eine überraschende Wendung noch einmal herum.

Zwischendurch verschleppt der Filmemacher etwas das Tempo. Und beleibe nicht jede Pointe und Slapstickeinlage trifft den richtigen Ton. Die Grundkonstellation, in der ein nur vermeintlich harter Hund endlich seine Schwächen zeigen darf, entschädigt dafür aber ebenso wie herrlich romantische Szenen, ob bei Regen in Prag oder zu Hause im Pool. Am Ende ist sich Jocelyn nicht zu schade, sich von einer starken Frau an sein Ziel tragen zu lassen.

Fazit: "Liebe bringt alles ins Rollen" ist eine gelungene romantische Komödie, auch wenn nicht jede Pointe und Slapstickeinlage sitzt. Das Drehbuch bietet treffende Einfälle, amüsante Dialoge und eine unvorhergesehene Wendung. Dass Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Franck Dubosc das Tempo etwas verschleppt, sieht man ihm nach, weil sein Schlagabtausch mit Gegenspielerin Alexandra Lamy zwar nicht hitzig oder bitterböse, aber überaus charmant ist.




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