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Kritik: Dogman (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine düstere Stimmung von Verwahrlosung und Verfall hängt über diesem Krimidrama, das der Regisseur Matteo Garrone ("Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra") 2018 im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes präsentierte. Der Hauptdarsteller Marcello Fonte spielt einen geduckten Mann, der sich mit seinem Hundesalon irgendwie durchlaviert, bis ihn der gewalttätige Nachbar Simoncino ins Verderben reißt. Für sein eindringliches Spiel als nur teilweise sympathische Filmfigur bekam Fonte den Darstellerpreis in Cannes. Die Geschichte dieses Dogman – mit diesem Schild über seinem Salon preist Marcello seine Dienste an – basiert auf einem wahren Kriminalfall, der sich in den 1980er Jahren in einem Vorort Roms ereignete. Garrone verwandelt ihn in eine melancholische Parabel über den Niedergang einer vom gesellschaftlichen Wandel abgehängten Bevölkerungsschicht Italiens.

Marcello hat etwas Schmieriges an sich, eine zähe Beharrlichkeit, die sich mit einem sanften und beinahe einschmeichelnden Wesen paart. Seine Stimme ist schnarrend, wenn er mit den Hunden spricht, die im Waschbecken auf die Dusche und den Fön warten. In der Eingangsszene plagt er sich mit einem rabiaten Kampfhund, weiß ihn zu nehmen. So glaubt er wohl auch den vom Kokainkonsum immer aggressiver werdenden Simoncino nehmen zu können. Noch als dieser ihn körperlich attackiert und ihn fragt, "Bin ich dein Freund?", antwortet Marcello mit Ja. Dieser kleine gutmütige Mann neigt zu fragwürdigen Entscheidungen, vor allem gegenüber einem Mann, der sich zum Feind entwickelt. Er tut das wohl nicht nur aus Angst, ein wenig scheint er es auch zu mögen, bei krummen Geschäften mitzumischen und vielleicht ist er auch indifferent geworden.

Denn auch den anderen geht es wie Marcello selbst: Die Geschäfte laufen schlecht, manche leisten sich Ausflüge in die Illegalität, die organisierte Kriminalität mischt auch in diesem Kiez mit, die Polizei tut nichts gegen Simoncino. Zum ungeschriebenen Gesetz gehören das Schweigen und der Zusammenhalt. Zu der tristen, kühlen Atmosphäre trägt entscheidend die Architektur dieser Küstensiedlung bei. Die Blocks, die zum Teil unbewohnt zu sein scheinen, der aufgelassene Spielplatz am Strand sehen aus wie ein Freilichtmuseum von Bausünden und Verfall. Wer hier noch ausharrt, hat im Grunde schon verloren.

Fazit: Matteo Garrones parabelhaftes Krimidrama besticht als aufwühlende Charakterstudie eines kleinen Mannes, in dessen Schicksal sich die Nöte einer italienischen Gesellschaftsschicht zwischen Armut und Perspektivlosigkeit spiegeln. Die verfallende Architektur eines längst nicht mehr attraktiven Küstenorts bezeugt, dass die kleine Gemeinschaft der Anwohner vom Fortschritt abgehängt ist. Sie gibt sich ihre eigenen Gesetze, doch die schließen das eine oder andere Bauernopfer nicht aus. Marcello Fonte beeindruckt mit seiner emotional überzeugenden Darstellung einer Figur, die kein Sympathieträger im üblichen Sinne ist.




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