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Ittefaq - Es geschah eines Nachts
Ittefaq - Es geschah eines Nachts
© One Filmverleih

Kritik: Ittefaq - Es geschah eines Nachts (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der indische Regisseur Abhay Chopra gibt sein Langfilmdebüt mit einem Thriller über einen Kriminalinspektor, der es gewöhnt ist, dass ihm die Verdächtigen Märchen auftischen. Dev, so heißt der Ermittler, reagiert also zunächst belustigt, als ihm der berühmte Schriftsteller Vikram weismachen will, er sei aus dem Hotelzimmer, in dem seine tote Frau lag, rein zufällig in eine Wohnung geflüchtet, in der gerade ein Mann ermordet wurde. Dabei ist dem Kriminalbeamten nicht nach Lachen zumute, hat er doch nur drei Tage Zeit, um dem Schriftsteller einen Mord oder gar Doppelmord nachzuweisen. Und dessen Version der Ereignisse erscheint ihm auf Dauer gar nicht so abwegig, zumal die trauernde Witwe Maya ein Motiv für den Mord gehabt hätte.

Es gebe drei verschiedene Seiten des Geschehens, sagt der Inspektor sinnierend zu einem Kollegen: Vikrams Version, Mayas Version und die Wahrheit. In den folgenden Tagen verhört er die beiden Tatverdächtigen im Wechsel, konfrontiert sie gegenseitig mit den Aussagen des anderen, wartet darauf, dass sie sich in Widersprüche verstricken. Der Inspektor, der eine nachdenkliche, gar philosophische Ader hat, entwickelt eine gewisse Sympathie für den Schriftsteller, der zumindest seine Frau offenbar doch nicht auf dem Gewissen hat. Immer, wenn Vikram und Maya ihre Version des Geschehens erzählen, wird es dem Publikum als eine Rückblende präsentiert, die den Anspruch auf Wahrheit erhebt. So gestaltet sich die Rekonstruktion der Wirklichkeit zunehmend labyrinthisch und der Inspektor muss auf Indizien setzen.

Den Film kennzeichnet eine sympathische Noir-Atmosphäre, die aus verschiedenen Zutaten gespeist wird. Es ist die Zeit des Monsuns, und der Inspektor blickt gedankenverloren in den strömenden Regen. Unter den Polizisten gibt es eine Hackordnung und auch reichlich Amtsmüdigkeit. Das Polizeigebäude ist in einem maroden Zustand, die Lampe flackert, hässliche Blutspuren zeugen von früherer Gewaltanwendung. Ein humorvoller Unterton scheint sich auch bei solchen drastischen Bildern in die Handlung zu mischen, die wie eine Hommage an ältere amerikanische Krimivorbilder wirkt. Auch Hitchcocks "Das Fenster zum Hof" wird in einer Szene liebevoll zitiert. Die Musik klingt melodramatisch, dunkel, schwer. Die überraschende Schlusswendung entschädigt für einen gewissen Mangel an Spannung und Stringenz zwischendurch.

Fazit: Der indische Thriller des Regisseurs Abhay Chopra stellt eine Vorliebe für gediegene, manchmal auch satirisch angehauchte Noir-Atmosphäre unter Beweis. Im Mittelpunkt steht ein nachdenklicher Inspektor, der unter Zeitdruck ein Verbrechen aufklären soll. Aber die beiden Hauptverdächtigen präsentieren konträre Versionen des Geschehens, um sich gegenseitig zu beschuldigen. Das Publikum bekommt stets die passende Rückblende vorgeführt, wodurch der Fall auf unterhaltsame Weise immer nebulöser erscheint.




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