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A Thousand & One Nights
A Thousand & One Nights
© Rapid Eye Movies

Kritik: A Thousand & One Nights (1969)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Mit 130 Minuten zählt "A Thousand & One Nights" bis heute zu den längsten Animationsfilmen aller Zeiten. Er bildet den Auftakt der japanischen Animerama-Reihe, mit der sich Starzeichner, Studiobesitzer, Produzent und später auch Drehbuchautor und Regisseur Osamu Tezuka (1928-1989) Ender der 1960er-Jahre dezidiert an ein erwachsenes Publikum richtete. Ein Jahr später sollte "Cleopatra", 1973 schließlich "Die Tragödie der Belladonna" folgen. Bei allen Dreien führte Eiichi Yamamoto Regie. Wie die gesamte Trilogie ist bereits ihr Auftakt eine wilde stilistische und erzählerische Mischung, die ihre Längen aber nie ganz verbergen kann.

Am Drehbuch, das sich zu sehr für die einzelnen Episoden und zu wenig für eine schlüssige Handlung interessiert, waren neben Osamu Tezuka gleich zwei weitere Autoren, Kazuo Fukazawa und Horoyuki Kumai, beteiligt. Mit der Vorlage wie ihrer eigenen Geschichte gehen sie recht frei um. Weder die Rahmenhandlung um Erzählerin Scheherarade noch die Wunderlampe oder der fliegende Teppich der Hauptfigur kommen vor. Dafür schlüpft diese gleich in mehrere Rollen, ist außer Aldin später auch Sindbad der Seefahrer, mischt zwischendurch bei den 40 Räubern mit und lässt am Ende den Turm zu Babel errichten, bevor sie wieder von dannen zieht.

In der morgenländischen Welt aus "Tausendundeiner Nacht" angesiedelt, ist Yamamotos animierte Anekdotensammlung doch ganz Kind ihrer Zeit. Wenn der Wasserverkäufer Aldin zu einem bluesig-rockigen Song durch die flirrende Hitze des Orients irrt, erinnert das mehr an Woodstock denn an die Wüste. Auch die Farben, der Zeichenstil und die Montagen, die wiederholt ins Abstrakte abdriften, verströmen etwas von einem hippiesken Drogentrip. Dieser rauschhafte Eindruck verstärkt sich, wenn Yamamoto unter klassische Animationen Standbilder, Fotos und Realfilm mischt.

Die formale Seite ist angesichts des bruchstückhaften, ebenso episodischen wie elliptischen Inhalts denn auch das Interessanteste an "A Thousand & One Nights". Die Geschichte eines tumben Tors, der mit mehr Glück als Verstand zum gewieften Hochstapler und Verführer avanciert, wirkt beinahe 50 Jahre nach ihrem Entstehen deutlich angestaubter als ihre visuelle Vermittlung.

Fazit: Der Auftakt der Animerama-Trilogie ist wie seine beiden Nachfolger ein wilder erotischer, stilistischer und erzählerischer Mix. Die episodische Handlung verkommt zur reinen Nebensache, um die amourösen Abenteuer der Hauptfigur aneinanderzureihen. Beinahe 50 Jahre nach seinem Entstehen wirkt das formal immer noch frisch, inhaltlich allerdings langatmig und angestaubt.




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