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FBW-Bewertung: Glücklich wie Lazzaro (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung:
Alice Rohrwachers dritter Spielfilm führt uns auf atmosphärisch dichte und poetische Weise in eine archaisch anmutende Welt einer unterdrückten Dorfgemeinschaft abseits der Zivilisation des modernen Italiens. An der Seite des genügsamen und gutherzigen Lazzaro erleben die Zuschauer in der ersten Hälfte des Films fast physisch spürbar das harte bäuerliche Leben. Nah dran mit der Kamera, die wie ein zusätzliches Mitglied der Gemeinschaft wirkt, entstehen packende, fast dokumentarische Bilder. Die assoziativ arbeitende Montage unterstützt diesen dokumentarischen Eindruck durch das Insertieren von atmosphärischen Momenten und Details. Das perfekte Zusammenspiel von Laien und Schauspielern schließlich komplettiert diesen stilistisch spannenden Neorealismus, der sich in der zweiten Hälfte dann in eine Art magischen Realismus verändert. Denn hier beginnt sich das moralisch Integre in Person des Lazzaro in einer geisterhaften Existenz zu konservieren. Als moderne Version des biblischen Lazarus inszeniert Rohrwacher ihre Hauptfigur zu einem Heiligen, einem Engel, dem Symbol einer vergangenen Zeit, der Natur und der Verwurzelung. In einem wunderschönen Moment, in dem Orgelmusik aus einer Kirche der Reichen sich einfach der Dorfgemeinschaft anschließt, manifestiert sich die Aura des Religiösen um Lazzaro.
Auf faszinierende Art bricht dieser zweite Teil des Films plötzlich schrittweise auf. Peu à peu verschiebt sich seine Realitätsebene und öffnet sich auf magische Weise den individuellen Lesarten der Zuschauer. Es ist ein Plädoyer für menschliche Gemeinschaft und Zusammenhalt im Angesicht der Skrupellosigkeit des kapitalistischen Systems und seiner Nutznießer. Dieser äußerst intensive Film, dessen herausragender Sound für zusätzliche Spannung sorgt, hat die Jury mit seinen vielschichtigen Bezugsebenen und einer sorgfältigen Gestaltung nachhaltig überzeugt.




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