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FBW-Bewertung: BlacKkKlansman (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Der Film BLACKKKLANSMAN basiert auf dem Buch?Black Klansman: Race, Hate, and the Undercover Investigation of a Lifetime?, das 2014 von Ron Stallworth veröffentlicht wurde. Stallworth leitete 1978 als Polizist tatsächlich eine Undercover-Ermittlung gegen den Ku Klux Klan in die Wege und wurde dafür selbst zu einem Mitglied. Möglich wardie Verschleierung seiner Hautfarbe, indem er sich bei Treffen mit anderen Mitgliedern des Klans durch einen weißen Polizeikollegen vertreten ließ.
Ron Stallworth (John David Washington) arbeitet im Jahr 1978 als einziger farbiger Polizist in Colorado Springs im US-Bundesstaat Colorado. Als der Ku-Klux-Klan (KKK) dort immer einflussreicher wird, beschließt der Cop, die rassistische Vereinigung trotz des Gegenwindes in den eigenen Reihen zum Ziel einer Undercover-Untersuchung zu machen und diese zu infiltrieren. Es gelingt ihm, eine Mitgliedschaft zu erlangen, ohne dabei in persönlichen Kontakt mit den Klan-Mitgliedern treten zu müssen, und baldsteigt er in der Hierarchie so weit auf, dass er sogar für die Stelle vorgeschlagen wird, die lokale Niederlassung in Colorado Springs zu leiten. Auf diese Weise gelingt es ihm, in letzter Minute einen rechtsextremistischen Anschlag zu verhindern.
Der Film BLACKKKLANSMAN folgt nicht nur einer Logik im Werk von Spike Lee in seiner konsequenten Beschäftigung mit der Black Power-Bewegung, sondern kommt zweifellos zur richtigen Zeit angesichts der weltweit erstarkten rechten und rassistischen Tendenzen. Der Film ist über weite Teile ein latenter Kommentar zur negativen Auswirkung der Politik von Donald Trump und nimmt am Ende mit dokumentarischen Mitteln explizit Stellung zu gegenwärtigen Strömungen in den USA. Er vermittelt auch noch einmal, dass David Duke das Credo ?America First!? als Klan-Phrase etablierte, bevor der gegenwärtige Präsident sie skandierte.
Der Film ist zweifellos politisch agitativ, er bietet jedoch zahlreiche Differenzierungen in der Figurenzeichnung und der Montage, um das Publikum nicht zu?entmündigen?. Dass er einige Veränderungen gegenüber der historischen Vorlage vornimmt, ist für die filmische Verdichtung legitim (so war Stallworth selbst nicht mit einer Black Power-Aktivistin liiert).
Die Inszenierung lässt sich viel Zeit in den Tanzszenen, beim Kennenlernen, in den Momenten kollegialer Gemeinschaft und bei der Beobachtung der Polizeiarbeit. Er bedient sich bei der generischen Tradition des Buddy-Cop-Films ebenso wie bei den Procedural-Movies, in denen die Ermittlung selbst im Zentrum steht. SeinStil ist am Paranoia-Kino des New Hollywood und am Blaxploitation-Film (SHAFT, SUPER FLY, COFFY, FOXY BROWN) geschult, seine Erzählweise ruft Erinnerungen an David Finchers ZODIAC wach. Zugleich bezieht er sich auf den latenten Rassismus Hollywoods: Szenen aus VOM WINDE VERWEHT (1939) und GEBURT EINER NATION (1915) werden unter diesen Aspekten deutlich dekonstruiert. Zudem scheut Lee nicht vor einer beachtlichen Ambivalenzmontage zurück, die White Power- und Black Power-Versammlungen in Relation stellen.
Ganz beiläufig bietet der Film auch eine überzeugende Rekonstruktion der 1970er Jahre und mit seinem erstklassigen Casting bis in kleinste Rollen hinein kann Spike Lees neues Werk begeistern. Die Jury ist von dem Film auf allen Ebenen überzeugt und sieht ihn auch geeignet als Diskussionsbasis für Schulenund Weiterbildungsveranstaltungen.



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