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FBW-Bewertung: Power to the children - Kinder an die Macht (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Entpolitisierung und Entsolidarisierung unter Jugendlichen zählen zu den großen, gesellschaftlichen Problemen, zumindest in Europa und großen Teilen der westlichen Welt. Indiens Kinder und Jugendliche scheinen da einen anderen Weg einzuschlagen, zumindest wenn man Anne Kerstings Dokumentation POWER TO THE CHILDREN glauben darf.

Ihr Film erzählt von den Kinderparlamenten des Subkontinents. Von der lokalen kommunalen, über die regionale bis hin zur Bundesebene sind sie zu dort finden. Ihre Aufgaben sind so vielfältig wie es auch die Probleme des Landes sind. Kersting hat drei dieser Parlamente in den Dörfern Chatti und Patti sowie der Distrikthauptstadt Pondicherry, im Südosten Indiens, besucht.

In klaren, einfachen Sätzen erzählt POWER TO THE CHILDREN von den Aktionen der Kinderparlamente an drei Standorten. Im Dorf Chatti agieren die Kinder als Umweltaktivisten. Demonstration gegen Plastik, Müll- und Baumpflanzaktionen inklusive. In Patti erfahren die Zuschauer vom Kampf der Kinder gegen Alkohol und Gewaltin der Familie und in Pondicherry begibt sich der Film auf die Spuren der erblindeten, 15jährigen Swarna Lakhsmi, die sich als Kinderpremierministerin für ganz Indien als kluge Ratgeberin erweist und schließlich vor den Vereinten Nationen in New York eine Rede hält.

Trotz herausragender Akteure und berührender Bilder erscheinen der Jury 90 Minuten Lauflänge, für eine offensichtlich auch an Kinder gerichtete Dokumentation, ein wenig lang. Andererseits hätte sie selbst dem Film gerne noch länger zugeschaut. Anne Kerstings POWER TO THE CHILDREN geizt weder mit Informationen noch mit reizvollenBildern. Letzteres wirkt sich auf visueller Ebene positiv aus, ersteres aber überfordert nach Ansicht der Jury die Zuschauer zunächst.

Gerade zu Beginn ihrer Dokumentation konfrontiert Kersting die Zuschauer mit einer solchen Fülle an Gesichtern, Geschichten und Fakten, dass die Jury einige Zeit brauchte, um das Erfahrene zu- und einordnen zu können. POWER TO THE CHILDREN präsentiert sich der Jury wie ein Langzeitprotokoll. Offensichtlich hat Anne Kersting viel Zeit mit den Kindern verbracht und dadurch Vertrauen gewinnen können. Anders lassen sich die intimen, feinfühligen Einblicke in Familien- und Dorfstrukturen kaum erklären. Offensichtlich aber hätte Anne Kersting auch ein wenig Beratung bei der Auswahl des vermutlich umfangreichen Materials gebrauchen können, denn nach Ansicht der Jury weist ihr Film leider auch Längen auf und erscheint in einigen Sequenzen bedauerlicherweise unnötig redundant und manchmal auch inszeniert.

Nichtsdestotrotz ist POWER TO THE CHILDREN ein berührendes Dokument über das Leben von Kindern und Jugendlichen auf dem indischen Subkontinent. Ein Film, der bewegt und hoffentlich auch bewegen kann - hierzulande und auch in Indien. Nach ausgiebiger Diskussion hat die Jury beschlossen, dem Film aufgrund seiner unbestrittenen Stärken und seiner hohen gesellschaftlichen Relevanz das höchste Prädikat ?besonders wertvoll? zu verleihen.




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