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Die andere Seite von Allem
Die andere Seite von Allem
© JIP Film und Verleih

Kritik: Die andere Seite von Allem (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Die andere Seite von Allem" ist eine vielfach ausgezeichnete Dokumentation, die unter anderem als "Best Serbian Documentary" 2017 prämiert wurde. Regisseurin Mila Turajilic erblickte 1979 in Belgrad das Licht der Welt. Sie studierte an der Londoner "School of Economics" Politik und Internationale Beziehungen. Seit vielen Jahren ist sie auf die Gattung "Dokumentation" spezialisiert und gründete den Verband für Dokumentarfilmmacher/innen in Serbien (DokSerbia).

Auf eindrucksvolle und sehr intime Weise bringt "Die andere Seite von Allem" zwei Geschichten zusammen: Einerseits die Historie eines Landes seit den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts bis heute. Ein Land bzw. eine Region, die wie keine andere in Europa in den letzten 100 Jahren von Umwälzungen, Kriegen und Gewaltherrschaften geprägt wurde. Ein anderer Schwerpunkt des Films liegt dann aber eben auch auf dem Leben und dem Wirken dieser bewundernswerten, mutigen Frau namens Srbijanka Turajlić. Wie niemand sonst in Jugoslawien/Serbien, steht sie stellvertretend für den Kampf um Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus, Demokratie und Frieden.

Dies kristallisiert sich zum Beispiel aus den vielen, detailreichen Gesprächen heraus, die Mutter und Tochter führen. Etwa über die bewegte und bewegende Geschichte eines Landes mit allen Umbrüchen, Regimewechseln und Veränderungen. Aber auch die Archivaufnahmen, die Srbijanka Turajlić unter anderem auf Protestkundgebungen und als Wortführerin auf Demos zeigen, machen deutlich: Hier geht es um eine Frau, die den Wert von Demokratie kennt und sich ihrer Verantwortung bewusst ist. Eine Verantwortung, die im Übrigen jede Generation und Gesellschaft aufs Neue habe, wie sie an einer Stelle sagt.

Immer wieder richtet die Tochter die Kamera auf eine riesige Tür in Srbijanka Turajlić‘ Wohnung. Jene Wohnung, die die Kommunisten in den 40er-Jahren teilten und auch anderen Belgradern zur Verfügung stellten. Seit dieser Zeit weiß Turajlić nicht, wie es dahinter aussieht. Eine Wohnungstüre als Symbol für die radikale Spaltung einer Gesellschaft und für das Auseinanderdriften ganzer Volksgruppen im ehemaligen Jugoslawien und dem heutigen Serbien - eine passendere Entsprechung ist kaum denkbar.

Fazit: Sehr persönliche, ebenso feinfühlige wie aufschlussreiche Annäherung an die Geschichte Jugoslawiens und an eine der wichtigsten europäischen Freiheitskämpferinnen des 20. Jahrhunderts.




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