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Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem...eckte
Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte
© SquareOne

Kritik: Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Es passiert viel in dieser Komödie, die in puncto Quirligkeit die Romanvorlage eher noch übertrifft. Der Schriftsteller Romain Puértolas veröffentlichte 2013 die fantasievolle Geschichte über die abenteuerliche Europareise seines Helden, die den Titel "Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte" trägt. Die filmische Adaption, für die Puértolas mit Luc Bossi das Drehbuch schrieb, erfuhr einige Änderungen – so gibt sich der indische Trickbetrüger Aja nicht mehr als Fakir aus, der bei Ikea ein Nagelbett kaufen will. Vielmehr hat er nach dem Tod der Mutter herausgefunden, dass sein unbekannter Vater in Paris wohnt. Unter der Regie des Kanadiers Ken Scott ("Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft") nimmt eine charmante, märchenhaft-naive Komödie ihren Lauf, in der sich der mittellose Aja einen Weg durch das reiche Europa trickst, wobei der Zufall ihm mal ungünstig dazwischenfunkt, mal vorteilhaft zur Seite steht.

Aja bewegt sich in einer fremden Welt, die er nur aus dem Ikea-Katalog kannte. Europäer wohnen schön, sie reisen wohin sie wollen. Aja liebt diese Welt, er will an ihr teilhaben, und es wird ihm auch gelingen. Nicht nur wegen seiner Tricks, sondern auch, weil er Freunde und sogar die Liebe findet. Geld ist, wie er feststellt, vielleicht nicht das Wichtigste, aber so unwichtig auch wieder nicht – etwa für die vielen Flüchtlinge auf ihrer Odyssee. Die Komödie bezieht ihren Witz aus der ständigen Unvorhersehbarkeit, dem Widerlegen aller möglichen Lebensweisheiten. So spricht einmal aus einer Fotografie Ajas Mutter sehr energisch zu ihm und schimpft, nicht das Glück, nicht der Zufall zähle, nur die eigene Verantwortung! Im nächsten Augenblick landet Ajas Ballon, mit dem er im Mittelmeer zu versinken drohte, auf einem Frachtschiff!

Die Inszenierung ist sehr einfallsreich mit dem lustigen Voice-Over-Kommentar Ajas, ein-zwei unvermittelten Tanz- und Gesangsnummern, possenhaften Späßen, Märchenelementen. Trotz flotten Tempos gibt es Raum für ausgeschmückte Nebenhandlungen wie in Rom, wo Nelly zwei Filmproduzenten gegeneinander ausspielt, um Aja zu helfen. Wie in jedem guten Roadmovie erfährt der Held auch hier eine innere Reifung. Ihm dabei zuzuschauen, erweist sich als sehr amüsanter Zeitvertreib.

Fazit: Unter der Regie von Ken Scott wird diese quirlig-charmante Komödie der Romanvorlage von Romain Puértolas nicht nur gerecht, sondern spiegelt ihren Ideenreichtum auch stilistisch. Der märchenhaft-naive Witz des Helden, eines mittellosen indischen Trickbetrügers, prägt seine ganze Reise durch das reiche Europa, das ihn für einen Flüchtling hält und am liebsten loswerden will. Wundersame, manchmal auch dumme Zufälle verleihen seinem Weg einen überraschenden Zickzackkurs. Die Reise führt zur Bildung des Herzens und beschert den Zuschauern einen vergnüglichen Zeitvertreib.




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