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Champagner & Macarons - Ein unvergessliches Gartenfest
Champagner & Macarons - Ein unvergessliches Gartenfest
© TiberiusFilm Guy Ferrandis - SBS Films

Kritik: Champagner & Macarons - Ein unvergessliches Gartenfest (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit dem tragikomischen Ensemblestück "Champagner & Macarons – Ein unvergessliches Gartenfest" legt die 1964 geborene Drehbuchautorin, Regisseurin und Schauspielerin Agnès Jaoui ihren fünften Film vor. Wie schon zu ihrem Regiedebüt "Lust auf anderes" (2000) und zu den Folgewerken hat sie das Skript gemeinsam mit ihrem Co-Star und ehemaligen Lebensgefährten Jean-Pierre Bacri verfasst. In der neuen Zusammenarbeit verkörpern die beiden vor der Kamera ein betont disharmonisches Ex-Paar, das auf der titelgebenden Feier aufeinanderprallt und Teil einer satirischen Betrachtung ist.

Mit ihrem Kameramann Yves Angelo fängt Jaoui das teilweise hektische und stets eitle Treiben auf der von Fernsehproduzentin Nathalie veranstalteten Einweihungsparty ein. Dabei treffen verglühende Stars wie der von Bacri gespielte Moderator Castro auf junge Influencer. Was die Alten und den Nachwuchs vereint, ist das überhebliche Auftreten und die egozentrische Denkweise. Das Drehbuch arbeitet mit zahlreichen Klischees über die Medienbranche sowie über das Gefälle zwischen wohlhabenden und deutlich weniger wohlhabenden Menschen und erzeugt dabei interessante Konfliktsituationen sowie entlarvende Momente – etwa wenn Nathalie überhaupt nicht verstehen kann, dass sich der benachbarte Landwirt an der Lautstärke des Festes stört, da er auch an einem Sonntag früh aufstehen muss, oder wenn Castro seine Frustration grundlos an seinem Chauffeur Manu auslässt.

Jaoui und Bacri gelingen treffende Dialoge und feine (Rand-)Beobachtungen; gleichwohl bleibt die Figurenzeichnung recht oberflächlich. Aufgefangen wird dies jedoch durch das Spiel der Besetzung. Wenn Léa Drucker ("Nach dem Urteil") als Nathalie immer wieder mit pikiertem Gesicht das Bellen eines Hundes bemerkt, das so gar nicht in ihre Vorstellung einer Landhausidylle passen will, ist das ebenso amüsant wie der fiese Sarkasmus, mit dem Bacri den wenig sympathischen Castro interpretiert, oder die Aufgedrehtheit der von Sarah Suco verkörperten Kellnerin und Selfie-Jägerin Samantha. Nina Meurisse ("Ein Leben") als Castros Tochter und Kévin Azaïs ("Liebe auf den ersten Schlag") als Chauffeur verleihen dem Film in der Interaktion zwischen den beiden Rollen zudem etwas emotional Berührendes.

Fazit: Eine dialogstarke und gut gespielte Satire auf die Medienwelt und deren nimmermüde Eitelkeit.




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