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Kritik: Girl (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Spielfilmdebüt des belgischen Regisseurs und Drehbuchautors Lukas Dhont erzählt auf bewegende Weise von den Schwierigkeiten einer Heranwachsenden mit Transgender-Identität. Lara hieß früher Victor, nun aber betont die 16-Jährige ihr empfundenes weibliches Geschlecht mit Ohrringen. Außerdem will sie Balletttänzerin werden, obwohl sie nicht wie andere Mädchen ihre Füße schon seit Jahren auf den Spitzentanz hin trainiert hat. Die anmutige Lara würde auf den ersten Blick niemand für einen Jungen halten, aber Lara hasst alle Merkmale ihres Körpers, die auf den zweiten Blick für Irritationen sorgen könnten. Sie will die operative Geschlechtsumwandlung so schnell wie möglich durchführen lassen. Doch trotz der selbstlosen Unterstützung ihres Vaters droht sich Lara zu übernehmen.

Zunächst wirkt Lara wie die Disziplin in Person. Das zurückhaltende Mädchen redet wenig und stets wohlüberlegt. Lara kümmert sich täglich um ihren Bruder, widmet sich dem Balletttraining mit großem Einsatz. Und doch ist Lara eine Jugendliche, die Pubertät, die Rebellion, der Kampf gegen den als falsch empfundenen Körper nehmen dramatische Ausmaße an. Sie will nicht als Transgender-Person wahrgenommen werden, sondern als Mädchen. Das klappt nicht so reibungslos, wie sie das wünscht und sie kehrt ihre Wut gegen sich selbst.

In seinem Spielfilmdebüt stellt der Tänzer Victor Polster das introvertierte, sensible Mädchen auf beeindruckende Weise dar. Allein schon die anmutige Kopfhaltung und der Gesichtsausdruck, in dem sich so viel innere Bewegtheit spiegelt, verleihen diesem Charakter ein ungeheures Charisma. Dass Lara einen verständnisvollen, liebevollen Vater hat, unterscheidet dieses Drama von vielen mit ähnlicher Thematik. Dennoch schildert der Film sehr glaubwürdig, dass auch elterliches Wohlwollen einen jugendlichen Menschen nicht vor jeglichem Schaden bewahren kann.

Laras Krise, die lebensbedrohliche Ausmaße annimmt, bahnt sich ganz allmählich und ohne große Worte an. Das Drama vermag sie auf eindringliche Weise zu enthüllen, mitsamt der Ausweglosigkeit, die Lara zunehmend empfindet. Ein Disput unter den Tänzerinnen wächst sich auf beklemmende Weise zur Demütigung Laras aus. Es braucht aber gar nicht viele äußere Anlässe, um den Druck, den Lara erlebt, spürbar zu machen. Wenn sie rast- und beinahe atemlos ihre Pirouetten dreht, droht die Kamera das Gleichgewicht zu verlieren, beschwört die Gefahr des Sich-Verrennens gleichsam herauf.

Fazit: Die Transgender-Thematik verleiht diesem Drama über eine Jugendliche mit ehrgeizigen Plänen eine Besonderheit, die es mit stiller Intensität ausspielt. Der junge Victor Polster beeindruckt in der Rolle der 16-jährigen Lara, die Balletttänzerin werden und sich einer Geschlechtsumwandlung zur Frau unterziehen lassen will. Unter der umsichtigen Regie des Belgiers Lukas Dhont benötigt der Darsteller nur wenig Worte, um den emotionalen Druck unter der Fassade der Besonnenheit, die Lara pflegt, spürbar werden zu lassen.




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