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An den Rändern der Welt
An den Rändern der Welt
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Kritik: An den Rändern der Welt (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm des Regisseurs Thomas Tielsch begleitet den bekannten Fotografen Markus Mauthe zu Naturvölkern auf verschiedenen Kontinenten. Die hier vorgestellten indigenen Stämme haben ihre Lebensweise noch vergleichsweise erfolgreich gegen die Einflüsse der Zivilisation verteidigt. Aber auch bei ihnen klopft der Fortschritt an die Tür, mit seinen Verlockungen und seinen Gefahren für die jeweilige Kultur und ihre gewachsenen Traditionen. Die filmische Besuchsreise zu Stämmen in Afrika, Südostasien und Brasilien ermöglicht spannende Entdeckungen unbekannter Kulturen, die vom Aussterben bedroht sind.

Im Amazonasgebiet Brasiliens lebt ein Stamm der Awa Guaja, von dessen Existenz nur die indianischen Nachbarn wissen. Die Waldbewohner lehnen jeden Kontakt mit Außenstehenden ab, sie verstecken sich im Wald, sind für Weiße praktisch unauffindbar. Aber die indianischen Nachbarn sorgen sich um sie, denn sie sehen, wie die Sojaplantagen immer mehr den Wald verdrängen. Ein anderer Stamm hat sich internationale Hilfe gegen ein Staudammprojekt geholt. Manche Indios greifen auch zur Selbsthilfe und dämmen als freiwillige Feuerwehr die illegalen Rodungsfeuer ein, die den Boden für neue Plantagen bereiten sollen.

An den meisten der besuchten Orte geben die Menschen bereitwillig Auskunft, erzählen aus ihrem Alltag. Aber es gibt auch Ausnahmen. Im äthiopischen Omo-Tal posieren die Mursi mit ihrem traditionellen Schmuck für Touristen, die Frauen mit den großen Tellerlippen sind besonders begehrte Fotoobjekte. Jedes Foto kostet Geld – von dem sich die Mursi Töpfe, Schuhe, Alkohol, Plastikflaschen kaufen. In Brasilien wird dem Filmteam der Zutritt zu einem Stammesgebiet gar verweigert, denn es hat nicht genug Geld dabei, um die Eintrittsgebühr zu bezahlen.

Einige Einheimische äußern sich sehr differenziert zum Konflikt zwischen Tradition und Moderne. Auch selbstgenügsame Dorfgemeinschaften erkennen, dass die junge Generation abzuwandern droht, dorthin, wo es mehr Komfort und Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Eine behutsame Öffnung, beispielsweise mit der Errichtung von Schulen, wird deshalb mancherorts angestrebt. Wichtig ist jedoch der Grad der Selbstbestimmung bei den schwierigen Versuchen, das Alte und das Neue zu vereinbaren.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Thomas Tielsch begleitet den Fotografen Markus Mauthe zu Naturvölkern in Afrika, Südostasien und Südamerika. Traditionsbewusste Stämme kämpfen um das soziale und kulturelle Überleben, weil ihnen die moderne Zivilisation in Gestalt von Holzfällern, Energieunternehmen, landwirtschaftlicher Industrie und Touristen auf die Pelle rückt. Der Film ist nicht nur wegen seiner Einblicke in den Alltag kaum bekannter indigener Stämme interessant, sondern auch, weil er Einheimische zu Wort kommen lässt, die sich zum Teil sehr differenziert über ihre Wertvorstellungen und den Konflikt zwischen Tradition und Moderne äußern.




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