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Nur ein Tag in Berlin
Nur ein Tag in Berlin
© dejavu filmverleih

Kritik: Nur ein Tag in Berlin (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Der Dreh war anstrengend, aber kurz. Nach 20 Stunden am Stück "waren wir alle so erschöpft, dass wir schlafen gegangen sind", erinnert sich Regisseur Malte Wirtz in einem Interview. Danach ging die Kärrnerarbeit erst los. Circa neun Monate war der Film im Schneideraum, bekam dort erst eine richtige Dramaturgie verpasst. Herausgekommen ist ein spannendes, aber missglücktes Stück Experimentalkino.

Die Handlung des Dramas ist improvisiert. Wirtz gab seinen zwei Darstellerinnen nur ihre Rollenprofile und zwei Hauptabsichten mit auf den Weg. Hakte es dennoch einmal, setzte er mit Textnachrichten an ihre Mobiltelefone neue Reize. Das hat einige Vor-, aber auch sehr viele Nachteile. Bea Brocks und Sophie Reichert agieren sehr natürlich. Im Zusammenspiel mit einer Ästhetik, die stets so aussieht, als hätte André Groth nicht mit einer Kamera, sondern ebenfalls mit einem Mobiltelefon draufgehalten, wirkt die gespielte Freundschaft tatsächlich ungemein authentisch. Ein audiovisueller Genuss sind indes weder die ungefilterten, mal zu dunklen, mal zu hellen, mal verwaschenen Bilder noch die Gespräche, die vielfach vom Umgebungslärm überlagert werden.

Diese vorgegaukelte Authentizität birgt aber auch erzählerische Schwächen. Der stinknormale Alltag zweier Freundinnen ist für spannendes Kino schlicht zu langweilig. Vermutlich musste deshalb Mias Erpressungsplan her. Doch der wirkt nicht nur von vornherein wie ein schlecht konstruierter Fremdkörper, er spielt auch irgendwann keine Rolle mehr. Was bleibt, sind persönliche kleine (Beziehungs-)Dramen, die sich vor der Kamera und in den eingeblendeten Textnachrichten der männlichen Partner an den Bildrändern abspielen. Doch die sind allzu austauschbar, als dass sie bis zum Ende mitreißen würden.

Fazit: Das Improvisationsdrama "Nur ein Tag in Berlin" ist ein spannendes, aber missglücktes filmisches Experiment. Die starken Hauptdarstellerinnen überzeugen, die unansehnliche Ästhetik und die langweilige Geschichte enttäuschen.




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