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Back to the Fatherland
Back to the Fatherland
© Fugu Filmverleih

Kritik: Back to the Fatherland (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Im Zentrum von "Back to the Fatherland" stehen vier Großeltern und deren Enkelkinder. Die Leben der Älteren beeinflussen die der Jüngeren, ob sie es wollen oder nicht. Drei davon haben den Holocaust überlebt, einer stand aufseiten der Täter. Im Film kommt Letzterer nicht zu Wort, da er längst verstorben ist. Einfluss auf seine Enkelin, Regisseurin Kat Rohrer, und auf das Geschehen hat er dennoch. Der Dialog zwischen den Generationen fällt ganz unterschiedlich aus.

Gil Levanons Überlegungen, nach Berlin zu ziehen, erteilt ihr Großvater Yochanan eine Absage. "Nein, niemals!", lautet seine ebenso kurze wie klare Reaktion. Uri steht dem neuen Leben seines Enkels Guy in Salzburg deutlich aufgeschlossener gegenüber. Eine dauerhafte Rückkehr in sein Geburtsland ist zwar auch für Uri ein Tabu, im Herzen ist der Israeli aber stets ein Österreicher geblieben. Im Internet hört er Marlene Dietrichs Version von "Sag mir, wo die Blumen sind", zu Hause baut er Alpenlandschaften für seine Modelleisenbahn. Für seinen Enkel erhofft er sich eine bessere Zukunft im Ausland. Lea steht irgendwo dazwischen. Sie sähe ihren Enkel Dan zwar lieber in Tel Aviv als in Berlin. Eine gemeinsame Reise in ihren Geburtsort Wien bringt die beiden jedoch näher zusammen.

Gil Levanon und Kat Rohrer sind die Regisseurinnen dieses beeindruckenden Dokumentarfilms. Auslöser war die Auswanderungswelle junger Israelis nach Österreich und Deutschland, die Levanon und Rohrer vor ganz unterschiedliche Fragen stellte. "Wie kann die dritte Generation der Opfer unbekümmert in Wien oder Berlin leben?", wunderte sich Rohrer. "Bin ich, als dritte Generation der Täterseite, beschwerter und belasteter als mein israelisches Visavis?" Während Levanon indes, wie so viele andere ihrer Landsleute, die Konfrontation mit der ersten Generation scheute. Um ihre eigenen Empfindungen und Gedanken zu überprüfen, haben die beiden die Auswanderer Dan und Guy und deren Großeltern getroffen.

Levanons und Rohrers dokumentarische Forschungsreise ist eine kluge Anschauung über Heimat und Familie, über Schuld und eine Verantwortung, die für beide Seiten nie endet. Statt sich selbst und ihre Protagonisten in klassische Interviewsituationen zu begeben, filmt Tom Marschalls Kamera die Konversationen mit behänder Beiläufigkeit. Diese mal intimen Zwiegespräche, mal intensiven Diskussionsrunden sind von einer ruhigen Reflektiertheit, wie sie heutzutage selten geworden ist. "Back to the Fatherland" ist ein Dialog der dritten Generation der Opfer und Täter, aber auch ein Dialog zwischen den Generationen, der inspiriert und tief berührt.

Fazit: "Back to the Fatherland" ist ein kluger Dokumentarfilm über Heimat, Familie, Verantwortung und Schuld. Gil Levanon und Kat Rohrer führen einen inspirierenden und berührenden filmischen Dialog über die Vergangenheit und Zukunft Israels, Österreichs und Deutschlands und über deren gemeinsames Miteinander.




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