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ultrAslan - AVRUPA
ultrAslan - AVRUPA
© Kinostar

Kritik: ultrAslan - AVRUPA (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm von Ümit Uludağ bietet seltene Einblicke in eine verschworene Gemeinschaft türkischstämmiger, in Deutschland lebender Fans des Istanbuler Sportvereins Galatasaray. Sie begleiten die Auswärtsspiele des Vereins in Deutschland, und zwar nicht nur der berühmten Fußballmannschaft, sondern beispielsweise auch der Basketballer. Sie stimmen schon auf dem kollektiven Fußmarsch zu den Stadien laute Fangesänge und Schlachtrufe an, halten die Polizei und die Veranstalter mit Böllern und bengalischen Feuern auf Trab. Der Name UltrAslan steht für türkisch geprägte Leidenschaft, Patriotismus und einen Zusammenhalt, der gerade auf junge Männer, die in Deutschland zwischen zwei Kulturen leben, eine identitätsstiftende Wirkung ausübt.

Das martialische Auftreten der Fans, ihre Demonstration von Stärke, die aufgeheizte Stimmung, die von den sogenannten Anführern der Tribüne noch befördert wird, indem sie die Sprechchöre dirigieren, mag auf Außenstehende einigermaßen zwiespältig wirken. Hooligans aber wollen die UltrAslan-Männer nicht sein, sie ziehen nicht marodierend durch die Straßen, sie werden nach eigenem Verständnis erst dann ungemütlich, wenn sie angegriffen werden, wenn sie meinen, die Ehre ihrer Mannschaft oder ihres türkischen Nationalstolzes verteidigen zu müssen. Der Film spart befremdliche Eindrücke nicht aus, demolierte Sitzreihen in einer Sporthalle, Fans, die "Gebt‘s diesen Schwuchteln!" rufen.

Wer zu den UltrAslans gehören will, muss zu den Spielen fahren, muss in seiner Freizeit auch sonstige Aufgaben übernehmen, wie Fankleidung verpacken und verschicken. Von den Chefs auferlegte Funktionen und Pflichten dürfen nicht ausgeschlagen werden. Die Fans bilden ein Netzwerk, helfen sich auch bei der Wohnungssuche und Wohnungsrenovierung. Wer schon eine eigene Familie hat, dem fallen so viele Aktivitäten für den Verein nicht mehr so leicht, wie ein-zwei Statements bezeugen.

Die Statements, die vor allem, aber nicht nur von Funktionären eingeholt werden, betonen oft, wie wichtig die Pflege der türkischen Kultur ist. Ob die UltrAslans nun als Gemüsehändler oder Akademiker in Deutschland arbeiten, sie legen privat Wert auf ein türkisches Umfeld. Und sie sprechen in diesem Film in der Regel Türkisch. Der spannende Film regt zum Nachdenken über Integration und über Subkulturen an, die Menschen von empfundenem oder tatsächlichem Anpassungsdruck ein Stück weit befreien.

Fazit: Der Dokumentarfilm des deutsch-türkischen Regisseurs Ümit Uludağ ermöglicht spannende Einblicke in eine Gemeinschaft leidenschaftlicher Fans des Sportvereins Galatasaray Istanbul, die in Deutschland leben. Er beobachtet Funktionäre und andere Mitglieder von UltrAslan bei Versammlungen, auf den Zuschauertribünen, lässt sie erzählen über ihren Alltag in Deutschland, über türkischen Patriotismus, Zusammenhalt, Sport-Leidenschaft. Dabei beleuchtet der Film die Art und Weise, wie diese jungen Männer ihre türkischen Wurzeln pflegen und stärken, durchaus kontrovers.




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